Nettetal: Einblick in Arbeitsalltag behinderter Menschen
VON INGE VON DEN BRUCK - zuletzt aktualisiert: 20.09.2011Nettetal (RP). "Gemeinsam lernen, Gemeinsam arbeiten, Gemeinsam wohnen", die Idealziele der gemeinnützigen Elterninitiative "Kindertraum e.V.", haben seit einigen Jahren feste Strukturen angenommen und sind in Nettetal verankert. Der Weg dorthin allerdings war hart und steinig.
Nach der Schule stellte sich für die Jugendlichen mit Behinderung die Frage: "Was nun?" Und wieder setzte sich die Elterninitiative erfolgreich ein und fand nach einigen Hürden, die genommen werden mussten, Partner im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) Krefeld-Kreis Viersen sowie indirekt als Kostenträger in der Bundesagentur für Arbeit (Berufsförderung) und dem Landschaftsverband Rheinland (Arbeitsbereich), die bereit waren, behinderte Jugendliche und junge Erwachsene in die allgemeine Arbeitswelt zu integrieren, zu fördern.
Seit 2008 arbeiten sieben behinderte Jugendliche und junge Erwachsene in der Zirkus Jugendherberge in Hinsbeck. Ludger Peters, Vorsitzender der Elterninitiative Kindertraum, berichtete in der jüngsten Sitzung des "Netzwerk für behinderte Menschen", das sich in der Jugendherberge Hinsbeck zusammensetzte, über das Projekt. Eingeladen waren Vertreter der Wohlfahrtsverbände, Vereine und Selbsthilfegruppen, interessierte Bürger sowie behinderte Menschen.
Über das anfangs als bundesweit geltende Pilot-Projekt in der Hinsbecker Jugendherberge, berichtete Diplom Sozialpädagogin Nicole Podchul, die das Projekt betreut und deren Stelle von der Elterninitiative Kindertraum getragen wird. "Die behinderten Jugendlichen sind in verschiedenen Bereichen tätig, sie geben die Mahlzeiten aus, versehen selbstständig den Küchendienst, bereiten die Salatbuffets vor oder sind in der Essens-Vorbereitung tätig, in der Hausreinigung und im Gartenbereich", erklärte die Sozialpädagogin.
"Wir müssen nicht das ganz große Ziel vor Augen haben, sondern die kleinen Schritte", sagte Ludger Peters, ein Integrationsbetrieb sei das ganz weite Ziel. In der Brüggener Jugendherberge läuft derzeit eine weitere Gruppe, an der Grefrather Dorenburg soll demnächst eine Gruppe eingerichtet werden.
"Man muss die Behinderten nur lassen, dann bringen sie ganz erstaunliche Leistungen zustande", sagte Ludger Peters, der das Wort "Inklusion", das in den Köpfen vieler Menschen zwar herumschwirre, aber nicht gelebt würde, so nicht hören will. "Wenn wir vom Facharbeitermangel reden, müssen wir auch an die behinderten Menschen denken und an die gleiche finanzielle Bezahlung zu den Nicht-Behinderten", betonte Peters.
Karl Boland vom paritätischen Wohlfahrtsverband Viersen sowie Wolfgang Reinsch, vom Arbeitskreis für ein behindertenfreundliches Kempen, berichteten von ihren Erfahrungen behinderter Menschen im Alltag.
Viele Gaststätten, Restaurants und Hotels hätten sich noch nicht auf Behinderte eingestellt, auch bei der Bahn würde es noch hapern. "Wir sind in Nettetal aber auf einem guten Weg", zog Walter Brandt, stellvertretender Vorsitzender des Behindertensportvereines Nettetal am Ende ein Resümee.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


