Nettetal: Eine Bäckerei für Pakistan
VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 24.09.2010Nettetal (RPO). Die Nettetaler Organisation Human Plus engagiert sich weiter für die Flutopfer. In der kommenden Woche soll auch ein Hubschrauber in die Krisenregion fliegen.
Die Bilder von verzweifelten Menschen im pakistalischen Überschwemmungsgebiet sind aus den Nachrichten weitgehend verschwunden. Die Not der Flutopfer ist aber nicht zu Ende. "Die Situation ist nach wie vor katastrophal. Mehr als 20 Millionen Menschen sind unmittelbar betroffen. Höchstens die Hälfte hat überhaupt erst Hilfe bekommen", berichtet Anestis Ioannidis. Als Vorsitzender der Nettetaler Organisation Human Plus engagiert er sich vom ersten Moment an in der Krisenregion.
Mehrere Transporte mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Kleidung und Decken haben Maschinen der pakistanischen Airline und Flugzeuge der Nato bereits in das Überschwemmungsgebiet gebracht. "Am Dienstag startet vom Stützpunkt in Geilenkirchen ein weiterer Flug mit 40 Tonnen Hilfsgütern an Bord", berichtet Anestis Ioannidis. Für die kommende Woche hat Human Plus gemeinsam mit der Initiative "Ein Herz für Kinder" einen Hubschrauber organisiert, um die notleidende Bevölkerung auch in den unzugänglichen Gebieten direkt erreichen und sich ein Bild von der Lage vor Ort machen zu können. "Dann sind wir nicht mehr nur auf die Angaben der Regierung angewiesen und können die deutschen Hilfsorganisationen dort direkt unterstützen."
Spendenkonto
Wer Human Plus unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto spenden: 6196190, bei der Deutschen Bank Mönchengladbach, Bankleitzahl: 310 700 24, Stichwort: Pakistan. Weitere Informationen über die Organisation unter www.human-plus.org
Wo LKW im aufgeweichten Boden stecken bleiben, ist so die Versorgung aus der Luft möglich. Die Hubschrauberbesatzung wird dieselbe sein, die schon nach dem Erdbeben auf Haiti im Einsatz war. "Wir versuchen außerdem noch einen eigenen Mitarbeiter mitzuschicken", versichert Ioannidis. Gemeinsam mit Terratec-Gründer Walter Grieger koordiniert er die Hilfslieferungen. "Wir sind klein, schlank, arbeiten effektiv und haben gute Netzwerke. Das ist der Vorteil gegenüber den internationalen Maßnahmen, die nur schleppend anlaufen."
Der Nettetaler schätzt, dass die Opfer der Fluten noch mindestens zwei bis drei Jahre auf Hilfe angewiesen sein werden, da das Wasser Felder und Ernten zerstört hat. "Unser Ziel ist daher auch ein nachhaltiges Engagement", betont Anestis Ioannidis. Er hat mindestes alle zwei Tage direkten Kontakt nach Pakistan. "Die Regierung hat uns noch einmal gebeten, Babynahrung zu besorgen, da vor allem viele Kinder dringend Lebensmittel brauchen."
Um die Bevölkerung vor Ort besser versorgen zu können, hat Human Plus eine Feldbäckerei organisiert, die Ende des Monats auf die Reise gehen soll. Die Backöfen, die in mehreren Etagen auf einem LKW montiert sind, können in der Stunde 200 Brote produzieren. "Die Geräte sind sehr einfach zu bedienen." Dennoch wird ein Bäcker den Menschen alles erklären. Um sicher zustellen, dass die Bäckerei auf Rädern nicht in die falschen Hände gerät, ist eine Patenschaft der deutschen Botschaft geplant.
"Für den Betrieb vor Ort brauchen wir aber noch finanzielle Mittel, um Strom, Mehl und Wasser zu bezahlen", betont Ioannidis. Er beklagt, dass die Spendenbereitschaft nachgelassen habe, seit die Bilder aus den Nachrichten verschwunden sind. "Die Menschen möchten das Elend sehen."
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