Nettetal: Eine Stadt in See-Not
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 27.08.2009Nettetal (RPO). Die zwölf Gewässer entlang der Nette müssen künftig ganz anders unterhalten und gepflegt werden. Der Netteverband darf die Kosten nicht mehr aus der allgemeinen Umlage bezahlen. Es trifft als Eigentümerin die Stadt.
Was sind die zwölf wie Perlen aufgereihten Seen an der Nette den Nettetalern in Zukunft wert? Mit dieser Frage werden sich Bürgerschaft und Stadtrat nach der Wahl intensiv beschäftigen müssen.
Der Stolz der ganzen Stadt auf die Wasserflächen und die umgebende Natur sowie ihre Wertschöpfungskraft für den Tourismus einer ganzen Region werden auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Dies kündigte gestern Bürgermeister Christian Wagner, der zugleich Vorsteher des Netteverbandes ist, an.
Seit etwa acht Jahren muss sich der Netteverband auf geänderte Förderstrukturen einstellen. Er bekommt weniger Geld aus der Landeskasse. Auch die Rahmenbedingungen ändern sich stetig. So müssen die zum Teil sehr kostspieligen Anforderungen durch die europäische Wasser-Rahmenrichtlinie umgesetzt werden.
Nette-Arbeit
Netteseen Breyeller See, Nettebruch, Windmühlenbruch, Ferkesbruch (auch Rollbruch), Kälberweide, Wittsee (Kleiner und Großer), Schrolik, Poelvenn, Glabbacher und Hinsbecker Bruch.
Bauarbeiten Der Netteverband verstärkt den Damm am Ostufer der Nette zwischen Wittsee und Schrolik. Der Bauabschnitt im Norden ist fertig. Er ist etwa 1200 m lang. Mit dem Südabschnitt (500m) wurde jetzt begonnen.
Nettetal muss zahlen
Was heißt das für die Stadt? Der Netteverband darf die ökologische Sanierung der Seen nicht mehr über die allgemeine Verbandsumlage finanzieren. "Die Stadt ist Besitzerin der Seen, sie wird zur Kasse gebeten", erklärte Wagner. Im Rat wird es angesichts drückender finanzieller Probleme demnächst also zum Schwur kommen müssen.
Bisher war der Netteverband, der am 1. Oktober sein 40-jähriges Bestehen feiert, für Hochwasserschutz, den ordnungsgemäßen Ablauf von Nette und Renne sowie die Unterhaltung (mit Entschlammung) der Seen verantwortlich.
Geschäftsführer Volker Dietl hat seit seinem Amtsantritt vor acht Jahren ein neues Hochwasserkonzept entwickelt. Auf dieser Basis muss nun ein wissenschaftlich begleitetes und fördertechnisch angepasstes Zukunftskonzept für die Netteseen erarbeitet werden. Mitwirken werden außer übergeordneten Fachbehörden die Biologische Station und der Niersverband.
Dessen Reinigungsleistungen in der Kläranlage Ritzbruch haben die Wasserqualität in den Seen ganz erheblich verbessert. In dem klaren Wasser gedeiht derzeit die Wasserpest so prächtig, dass sie Baden und Wassersport fast zum Erliegen bringt. "Wir sind in einer Zwischenphase, mittelfristig wird sich das aller Voraussicht nach ändern", verkündete Dietl gestern.
Stadt, Kreis und Netteverband sind bemüht, die Aufgeregtheiten um den gegenwärtigen Zustand zu dämpfen. Der Netteverband mäht im Wittsee die Pflanzen, sie werden um diese Jahreszeit nicht stark nachwachsen.
Dies ist ein Beispiel, wie komplex sich jede kleine Veränderung in der ökologischen Balance des Flusses und der Seen auswirken. Wagner ist aber zuversichtlich, dass die politische Diskussion in der Verantwortung geführt wird, dass die Seen für die Stadt eine "herausragende Bedeutung" haben. FRAGE DES TAGES
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