Nettetal: Eisiger Einsatz für Eisvögel
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 03.02.2009Nettetal (RPO). Kalte Winter sind für Eisvögel gefährlich. Die AG Biotopschutz befürchtet, dass die gesamte Population stirbt. Um den Vögeln zu helfen, hat sie am Landschaftshof Baerlo ein Paradies für sie angelegt.
Eisvögel können Eis nicht leiden. Es versperrt ihnen den Zugang zu den Fischen. Kalte Winter wie der jetzige setzen den Eisvögeln stark zu. Bernd Rosenkranz von der AG Biotopschutz befürchtet gar, dass die gesamte Population an der Nette die frostigen Tage nicht überlebt. Um den schillernden Vögeln zu helfen, hat er am Landschaftshof Baerlo nun einen Nistplatz bauen lassen. Und ironischerweise half ihm dabei das Eis.
Vorsichtig bewegt sich Jürgen Tüffers über den zugefrorenen Weiher. Ein Pfahl nach dem anderen jagt er gemeinsam mit den Jugendlichen des Berufsförderungszentrums Amern des Kolping-Bildungswerks und den Mitarbeitern des Landschaftshof in das Ufer. So entsteht eine Plattform, auf der der Brutkasten stehen soll. Den Bauplan hat die AG selbst erstellt. In einem Holzkasten montieren die Männer zwei runde Kessel und zwei Röhren, die sie zuvor mit Lehm und Sand verkleidet haben. Die Röhren mit sechs Zentimetern Durchmesser enden direkt am Weiher. Durch sie sollen die Eisvögel in ihr neues Heim fliegen. Hinten an der Box befinden sich Klappen, durch die man in die Bruthöhle schauen und sie sauber machen kann.
Der Landschaftshof
Öffnungszeiten Das Hofgebäude ist sonn- und feiertags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Vom 1. Mai bis zum 30. September steht er auch donnerstags und samstags von 14 bis 18 Uhr Besuchern zur Verfügung.
Turm Wer auf den Aussichtsturm möchte, sollte vorher anrufen unter Ruf: 02153 972 972.
Der Kasten steht im Wasser, damit der Nistplatz optimal vor Feinden geschützt ist. "Da kommen weder Mader noch Ratten hinein", sagt Bernd Rosenkranz. Aus diesem Grund haben die Arbeiter auch schwarze, dicke Folie um den Kasten geschweißt. Das Wasser hält sie natürlich ebenfalls ab. Zwei Röhren sind es, weil das Weibchen schon in das zweite Nest neue Eier legt, wenn ihre Jungen noch gar aus dem ersten heraus sind. Das Männchen kümmert sich dann um die weitere Aufzucht.
Inzwischen steht die zwei Meter breite Holzkiste. An den Seiten treiben die Männer Weidenstecklinge dicht daneben in den Boden. Sie werden im Frühling austreiben und den Nistplatz in der Landschaft besser verstecken. Obwohl das dem Eisvogel noch egal wäre. Über die genoppte Folie auf dem Kistendach sollen später Grassoden kommen. Auf dem Weiher haben die Männer mit einer Kettensäge zwei Löcher in das Eis gefräst. Langsam treten die Mädchen und Jungen vom Berufsförderzentrum auf das Eis. Unter ihren Armen zwei amerikanische Roteichen, deren Stämme angespitzt sind. Die Jugendlichen versenken die Bäume in den Eislöchern. Aus der Eisfläche ragen die waagerechten Äste.
"Von hier aus können die Eisvögel ideal in das Wasser hinein stoßen", erklärt Bernd Rosenkranz. Im Weiher schwimmen Stichlinge, Rotaugen, Rotfedern – lauter kleine Fische, ideale Leckerbissen. Von dem 50 Meter entfernten Aussichtsturm des Landschaftshof werden Besucher die Fischjagd des Eisvogels beobachten können. Außerdem wird auf der anderen Seite des Weihers eine Beobachtungsbox installiert.
Die Arbeiter haben innerhalb einer Woche am Landschaftshof Baerlo ein Paradies für Eisvögel geschaffen. Jetzt müssen die neuen Mieter nur noch in ihre Luxusvilla mit Seeblick einziehen. Bernd Rosenkranz hofft, dass das schon im Frühjahr der Fall ist. "Doch dafür müssen ein paar Eisvögel diesen harten Winter überlebt haben", sagt er. FRAGE DES TAGES
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


