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Nettetal: "Fahrstunden waren die Hölle"

VON WILJO KRECHTING - zuletzt aktualisiert: 28.05.2009

Nettetal (RPO). In diesem Monat wird der Führerschein 100 Jahre alt. So lange gibt es Fahrstunden und Prüfungen und natürlich auch die Angst vor dem Durchfallen. Nettetaler erinnern sich an ihre Zeit als Fahrschüler.

Fahrlehrer Raimond Grosse kennt nicht nur viele (Leidens)-Geschichten von Fahrschülern, sondern hat im Laufe der Zeit schon viele unterschiedliche Führerschein-Dokumente erlebt.   Foto: RPO
Fahrlehrer Raimond Grosse kennt nicht nur viele (Leidens)-Geschichten von Fahrschülern, sondern hat im Laufe der Zeit schon viele unterschiedliche Führerschein-Dokumente erlebt. Foto: RPO

Zu Anfang war er grau, danach rosafarben und heute wird er nur noch im Scheckkartenformat ausgestellt: der Führerschein. In diesem Monat wird die im Volksmund manchmal noch liebevoll als "Lappen" bezeichnete Fahrerlaubnis 100 Jahre alt. Die RP hat Nettetaler Autofahrer gebeten, sich an ihre ersten Fahrstunden und Fahrerfahrungen zu erinnern.

Kursus in der Jugendherberge

"Ich habe meinen Schein 1977 während eines dreiwöchigen Führerschein-Kurses in einer Jugendherberge gemacht", sagt Bärbel Mertens (49). Tagsüber hätten die Jugendlichen gebüffelt, oder Fahrstunden genommen, abends ausgespannt. "Das war eine sehr schöne Zeit", erinnert sich die Kaldenkirchenerin.

Info

Stationen des Scheins

1909: Erlass des "Gesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen".

1910:Einrichtung des ersten Verkehrszentralregisters.

1958: Frauenbenötigen nicht mehr die Erlaubnis des Mannes, um den Führerschein zu machen.

1986:Einführung der Probezeit von zwei Jahren.

1999: Einführung eines EU-einheitlichen Führerscheins.

Julian Terporten (23) hatte während seiner Fahrstunden nicht so eine gute Zeit wie Bärbel Mertens: "Das war die Hölle! Ich kam aus dem beschaulichen Lobberich und habe im ,großen' Krefeld meinen Führerschein gemacht. Auf einmal ohne Fahrerfahrung auf einer sechsspurigen Kreuzung zu stehen, ist nicht so angenehm", so Terporten.

An seine Fahrstunden kann Gerd Schröter (87) sich gar nicht mehr so genau erinnern. "Immerhin habe ich 1940 meinen Führerschein gemacht", erzählt Schröter. Damals für ungefähr 200 Reichsmark. Eine Erfahrung im Straßenverkehr ist dem Lobbericher bislang erspart geblieben: "Seit fast 70 Jahren fahre ich unfallfrei – toi, toi, toi!", sagt Schröter.

Noch nicht ganz 70 Jahre, aber immerhin seit 1958 fährt Rüdiger Pies (68) unfallfrei. "Mit 17 habe ich auf Drängen meines Arbeitgebers den Schein gemacht. Der wollte, dass ich das auch noch möglichst schnell durchziehe. Im Endeffekt brauchte ich dann nur drei Fahrstunden", erinnert sich Pies. 137 D-Mark habe den Lobbericher der "Fläppen" gekostet.

Vor Aufregung gezittert

Annemarie Mertens (74) hat 1979 "irgendwas über 1000" Mark bezahlt. An ihre Fahrprüfung hat sie keine so angenehmen Erinnerungen: "Ich war furchtbar aufgeregt und habe so gezittert, dass ich dachte, der ganze Wagen wackelt mit". Heute kann die Kaldenkirchenerin über ihre damalige Aufregung nur noch lachen.

Fahrlehrer Raimond Grosse, kennt solche Geschichten aus 27 Jahren Berufserfahrung. Schließlich betreibt er mehrere Fahrschulen in Nettetal und Viersen. Grosse sagt, dass besonders lange Fahrerfahrung kein Garant für Sicherheit sei: "Besonders die älteren Fahrer würden vermutlich heutzutage die Führerscheinprüfung nicht mehr bestehen. Viele Kunden sind deswegen ältere Fahrer, die ihr Wissen auffrischen wollen." Das sei auch sinnvoll, so der Fahrlehrer, denn inzwischen gebe es alle zehn Jahre eine wichtige Neuregelung. Zurzeit überlegt die EU, den Schein nur noch für 30 Jahre auszustellen und danach einen Eignungstest zu verlangen– der wäre dann verpflichtend.

Quelle: RP

 
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