Nettetal: Fußball so weit das Auge reicht
VON SANDRA BROUWERS - zuletzt aktualisiert: 27.06.2008Nettetal (RPO). Deutschland steht im Finale der Fußball-Europameisterschaft. Nach dem „Rudelgucken“ kam es wie vielerorts auch in Nettetal zu einem großen Autokorso. Bis tief in die Nacht wurde auf dem Doerkesplatz gefeiert.
Ein Meer aus weißen Trikots. Gebannte Blicke auf die große Leinwand. Schuss. Jubelschreie. Ein einzigartiger Anblick bot sich am Mittwoch an der „Hattrick Hall“ in Lobberich. „Bereits bei den ersten EM-Spielen hatten wir großen Zulauf, da dachten wir, für das Halbfinale müssen wir was Größeres machen“, so Erich Spee, Leiter der umgebauten Tennishalle an der Robert-Kahrmann-Straße.
Gesagt, getan. Innerhalb von 24 Stunden wurde eine große Bühne mit Leinwand und Beamer errichtet, draußen Pavillons, Bierzelte und ein Zeltdach aufgebaut. Pünktlich zum Showdown gegen die Türkei konnten dann mehrere hundert Leute die Stimmung genießen: Vor allem Freundeskreise und viele junge Leute trafen sich an diesem Abend, um das spannende Halbfinale zu schauen. Ein Blick in die Runde machte schnell klar, welche Fangruppe überwog: Fast die Hälfte trug weiße Trikots – und nahezu alle waren mit Hüten, Mützen, Fahnen, Blumenketten und Schals in Schwarz-Rot-Gold ausgestattet. „Wir wollen schließlich unsere Jungs unterstützen“, so Zuschauerin Anne Selben.
Finale in Wien
Das große Finale steht am Sonntag (20.45 Uhr) an. Wem die österreichische Metropole aber dann doch zu weit ist, der kann wieder die Atmosphäre beim Public Viewing genießen. Die Möglichkeit bietet sich unter anderem im Corso Film Casino in Kaldenkirchen und an der Hattrick Hall auf der Robert-Kahrmann-Straße.
Diese Unterstützung konnte man jedem Fan an diesem Abend ansehen: Bereits bei der Spieleraufstellung zu Beginn brüllten alle die Namen mit, bis zum Anpfiff wurden dann alle Schlachtrufe einmal durchgeprobt. Während des Spieles wechselten die Gesichtsausdrücke zwischen Freude, Verzweiflung, Trauer und Hoffnung. Doch selten wurde der Blick von der Leinwand abgewandt. Leider litt das Fußballvergnügen in der ersten Halbzeit unter technischen Problemen der extra aufgebauten Anlage. Breite Streifen zogen sich über die Leinwand, und der Ton wurde teilweise durch heftiges Brummen schwer verständlich.
Als in der zweiten Halbzeit auch noch die weltweiten Technikprobleme dem Spielspaß einen Dämpfer verpassten, wurde es an der Hattrick Hall ganz lese: Alle lauschten den Worten des Kommentators. Dennoch wurden alle Schüsse und Tore genau verfolgt, bei jedem Tor für Deutschland schaukelte sich die Stimmung weiter hoch. Beim Siegtor gab es kein Halten mehr: Alle Fans flippten aus, sprangen auf, jubelten und fielen sich in die Arme.
„Das war so nervenaufreibend“, schrie Zuschauer Tobias Brems, „aber es ist toll.“ Nach dem Spielende gab es nur noch eine Parole: „Auf zum Doerkesplatz“, rief die Menge. Dort bot sich ein Schauspiel, das man selbst zu Karneval kaum erlebt: Ein riesiger Autokorso legte die gesamte Lobbericher Innenstadt lahm.
Die deutschen Fans jubelten und schwenkten Fahnen aus den Autos. Sogar extra eingebaute Lampen und Anhänger mit Biergarnituren waren keine Seltenheit. Doch auch türkische Fans sahen sich das bunte Treiben an: „Wir sollten einfach alle zusammen feiern“, so Aydogan Ozcan.
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