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Nettetal: Gefährlich ist die Routine

VON EBERHARD LANGE - zuletzt aktualisiert: 18.08.2008

Nettetal (RPO). Zwölf Rettungssanitäter der Rettungswache Nettetal absolvierten ein Fahrsicherheitstraining. Nach anfänglicher Skepsis stand für alle fest: Das Training war sehr wichtig und lehrreich für alle Beteiligten.

Der Kamerablick von unten macht deutlich, was die Rettungssanitäter auch erfuhren: Das Sichtfeld nach vorne, direkt vor dem Fahrzeug ist ausgesprochen stark eingeschränkt.  Foto: RPO
Der Kamerablick von unten macht deutlich, was die Rettungssanitäter auch erfuhren: Das Sichtfeld nach vorne, direkt vor dem Fahrzeug ist ausgesprochen stark eingeschränkt. Foto: RPO

Retter können sich absolut keine Fehler leisten. Das gilt nicht nur im Einsatz selbst, sondern auch auf dem Weg zum Einsatzort und zurück. Zwölf Mitarbeiter der Nettetaler Rettungswache unterzogen sich daher am Samstag einem Fahrsicherheitstraining auf dem Pierburg-Parkplatz in Lobberich.

Alles muss immer schnell gehen, wenn ein Einsatz ruft. Doch bereits die Fahrt unter Martinshorn und Blaulicht zum Einsatzort ist Stress pur. Das hat auch den Verantwortlichen in der Stadt zu denken gegeben. Sie reagierten nun mit einem ganztätigen Fahrtraining auf mehrere Unfällen im Einsatz. Im Frühjahr hatte es an einem Fahrzeug sogar einen Totalschaden gegeben.

Info

Kein Kinderspiel

Unfälle Bundesweit 3500 Unfälle pro Jahr mit Rettungsfahrzeugen machen deutlich, dass ein Fahrsicherheitstraining unbedingt erforderlich ist. Darauf wies Fahrsicherheitstrainer Wolfgang Sieling hin.

Umsicht In Nettetal dürfen Sanitäter nicht gleich ans Steuer. Yvonne Hubatsch (24): „Die ersten Einsatzfahrten machte ich als Beifahrerin. Ältere Kollegen wiesen mich auf Besonderheiten hin.“

„Routine tötet“, warnte Wolfgang Sieling, Fahrsicherheitstrainer von der Unfallkasse NRW ständig. Denn anfangs fehlte wohl hier und da die Einsicht, dass ein Training überlebensnotwendig ist – für die Besatzung und andere Verkehrsteilnehmer. Denn zunächst hieß es bei den Rettern: „Die Praxis sieht ganz anders aus“.

Wenden und rückwärts fahren

Sieling widersprach nicht, sondern bat immer wieder andere Fahrer ans Steuer. Vorausgegangen war Theorie im Feuerwehrgerätehaus. In der Praxis konzentrierte er sich vormittags auf das Wenden auf engem Raum und Rückwärtsfahrten. „Auch die Rückfahrkamera hat einen toten Winkel“, warnte Sieling. Modern ausgestattete Fahrzeuge seien keine Garantie gegen Unfälle.

Mit roten Hütchen hatte er ein enges Wendefeld markiert. Yvonne Hubatsch (24) wagte es als erste, ohne Spiegel im engen Kreis zu wenden. Sie fuhr nur ein Hütchen an und erntete Anerkennung von Kollegen und vom Trainer. Sonja Bühning (23) war wie ihr älterer Kollege Dieter Jansen entsetzt über das geringe Sichtfeld nach vorne. Sieling ließ die Rettungsassistenten von außen das vermeintliche Sichtfeld mit Hütchen markieren. Alle schätzten es falsch ein. Die etwa zwei Meter vor dem Rettungswagen aufgestellten Hütchen waren vom Fahrersitz aus nicht zu sehen.

Nachmittags quietschten dann die Reifen auf einer Slalomstrecke auf der Bremsen und Ausweichen geübtwurde. Sieling versuchte, den Teilnehmern die Angst vor dem Bremsen zu nehmen und die Restgeschwindigkeit nicht zu unterschätzen.

Der Buchdrucker Johannes Hauser (42) hilft seit 18 Jahren als Rettungssanitäter an Wochenenden und Feiertagen. Das Fahrsicherheitstraining begrüßte er. „Man wird auf mögliche Fehler hingewiesen und lernt Neues.“ Der Leuther Student Andreas Eikelberg (23) stellte fest: „Das Training sensibilisiert, man wird auf Routinefehler hingewiesen.“ KOMMENTAR

Quelle: RP

 
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