Nettetal: Gestalten von der Pflanze aus
VON BERND SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 12.05.2010Nettetal (RPO). Hermann Gröne gilt unter Blumenfreunden als "Stauden-Papst". Den unfreiwillig erhaltenen Titel mag der Wahl-Leuther gar nicht. Aber er wirbt unermüdlich für die pflegeleichten und attraktiven Pflanzen.
Was noch wichtig ist
Offene Pforte Am Wochenende 15./16. Mai öffnet der Garten Gröne in Leuth, Busch 7, wieder seine Tür: Am Samtstag von 14 bis 18 Uhr, am Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
Buchautor In die soeben erschienene erweiterte und überarbeitete 3. Auflage des großformatigen Bildbandes "Blühende Paradiese – Niederrheinische Gärten öffnen ihre Pforten" sind erstmalig drei Gärten im Kreis Viersen auf je sechs Seiten zu finden. Neben Grönes Garten in Leuth sind es der Oirlicher Blumengarten in Hinsbeck und der Stadtgarten "Achter het Muurtje" in Dülken.
"Das ist doch der Stauden-Papst aus Leuth", heißt es nicht nur im Kreis Viersen, wenn von Hermann Gröne (47) und der wunderbaren Pflanzen-Gattung im Allgemeinen die Rede ist. Den Gartenbautechniker, dessen Ausbildung einem Studium vergleichbar war, amüsiert die Bezeichnung zwar nicht sonderlich, und er macht keine Bio-Religion aus seiner Tätigkeit. Aber Gröne geht mit "seinen" Stauden hochkonzentriert, fast "intellektuell" um.
Pflegearm und robust
Das architektonisch noch so schön arrangierte nackte Staudenbeet lässt ihn vergleichsweise kalt, es ist ihm nur Gerüst. Wichtiger sind ihm die ureigenen Bedürfnisse der Staude: "Bei mir steht immer die Pflanze selbst im Mittelpunkt, ich gehe immer von ihr aus", erklärt er. An dieser Hingabe, dem "Hineinversetzen in die Pflanze", am gestalterischen Können, mag der ungewollte Ruf eines "Stauden-Papstes" gewachsen sein.
Gröne arbeitet für Unternehmen, private Auftraggeber und im öffentlichen Raum. Sein Metier ist die Gartenberatung, -planung und Ausführung des Auftrages. Dazu gehört auch die Renovierung älterer Gartenanlagen.
Landläufige Vorurteile, die mehrjährigen, winterfesten Pflanzen seien besonders anspruchsvoll und pflegeintensiv, kann Gröne absolut nicht nachvollziehen, zumal sie vollkommen falsch seien: "Stauden sind attraktiv, ausdauernd, robust und pflegearm", sagt er. Da hört man das "Basta!" des Stauden-Papstes dann doch fast mit. Seine starken Argumente für die Staude haben jetzt in Boisheim überzeugt. Im Ortskern legt Gröne drei Staudenbeete an. Sein Dank gilt der persönlichen und finanziellen Unterstützung des Boisheimer Bürgervereins und der Sparkassenstiftung "Natur und Kultur".
Gröne ist gefragter Referent zu Themen rund um Stauden und Gartenbau, verzeichnet auf seiner Homepage täglich um die 300 Besucher. Er hat sich als Gartenfotograf einen Namen gemacht, und er ist Mitautor des Buches "Immergrüne Beete". Der zeitlos gültige Ratgeber ist zum Standardwerk geworden (über 20 000 verkaufte Exemplare). Das Werk wurde beim deutschen Gartenbuchpreis 2008 als "besonderer Tipp für Einsteiger" prämiert. Gestalten mit Stauden im öffentlichen Raum – diese "hochinteressante Aufgabe" entdecke ihn und nicht umgekehrt, sagt Gröne. Eine Mitarbeiterin des Kempener Grünflächenamtes machte ihren Chef Dieter Adams auf den Nettetaler aufmerksam. Die Folge: An drei Stellen in Kempens Innenstadt schuf er Staudenanlagen. Dabei schulte Gröne Mitarbeiter des Grünflächenamtes im Umgang mit Stauden.
In Absprache mit der Stadt Nettetal will Gröne die Seen bei der Floriade 2012 in Venlo durch Staudenbeete symbolisieren. In seiner Wahlheimat Leuth hat er drei Beete angelegt. Für das mediterrane Hochbeet auf dem Parkplatz hinter der Kirche ist er selbst Sponsor. Er will es zeitlebens pflegen.
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