Nettetal: Glatteis: Krankenhäuser voll
VON CHRISTINA WAGEMANNS - zuletzt aktualisiert: 11.12.2010Nettetal (RPO). Seit Tagen werden extrem viele Patienten in das Städtische Krankenhaus Nettetal und das AKH Viersen mit Brüchen am Handgelenk, Unterarm, Oberschenkelhals und Sprunggelenk eingeliefert. Grund dafür ist das tückische Glatteis.
Wie entsteht Glatteis
Entstehung Glatteis entsteht, wenn sich auf Wegen oder Straßen eine Eisschicht oder eine andere Gleitschicht bildet.
Ursachen Geschmolzener Schnee, der kleine Pfützen bildet und wieder gefriert, ebenso wie frischer Niederschlag, der beim Auftreffen auf den gefrorenen Boden sofort zu Blitzeis gefriert.
Gefahr Es ist nahezu unsichtbar.
Kreis Viersen Nachdem der Schnee nun fast komplett geschmolzen ist und wieder die Straßen freigibt, häufen sich plötzlich die Unfälle. Grund dafür ist das Glatteis, das häufig erst zu spät gesehen wird. Zahlreiche Menschen rutschen auf dem spiegelglatten Boden aus, die Notaufnahmen des Städtischen Krankenhauses Nettetal und des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) in Viersen sind seit Tagen hoffnungslos überfüllt.
"Seit Mittwoch werden massenweise Patienten mit Brüchen am Handgelenk, Unterarm oder Oberschenkelhals ob des Glatteises eingeliefert", berichtet Dr. Peter Lehnen, ärztlicher Leiter der zentralen Patientenaufnahme. "Teilweise arbeiten wir hier mit vier Chirurgen gleichzeitig – und das bis spät in die Nacht." Und es kommen immer neue Patienten nach.
"Man denkt, dass gestreut ist"
Obwohl es bereits seit zwei Wochen immer wieder schneit, häufen sich die Unfälle erst jetzt, seitdem das Wetter wärmer wird und alles taut. "Wenn die Straßen und Wege mit Schnee bedeckt sind, sieht jeder die Gefahr und verhält sich vorsichtig", erläutert Lehnen die Situation. "Doch sobald der Schnee getaut ist, sehen die Gehwege wieder so aus, als wären sie frei – die Menschen sind nicht mehr vorsichtig und rutschen auf der nassen, durchsichtigen Eisschicht aus." Dr. Thomas Axer, stellvertretender Geschäftsführer am AKH ergänzt: "Die Bürger gehen mittlerweile einfach davon aus, dass überall gestreut ist. Doch das Streusalz verflüchtigt sich und wird vom Wasser weggeschwemmt."
Die Verletzungen, die sich die Gestürzten dabei zuziehen müssen in den meisten Fällen operiert werden und sind dadurch teilweise recht langwierig. Wer "nur" auf sein Handgelenk gefallen ist, kann Glück haben und mit einer konservativen Behandlung durch beispielsweise eine Gipsbandage davon zu kommen. "Doch Brüche am Arm, Oberschenkelhals und am Sprunggelenk müssen in der Regel operativ mit Metall geschient werden", berichtet Axer. "Damit aber vor allem keine allergischen Reaktionen im Laufe der Zeit auftreten, muss das Metall normalerweise nach einen halben bis zwei Jahren erneut operativ aus dem jeweiligen Gelenk entfernt werden."
Wer glaubt, dass die Gefahr im Wesentlichen nur ältere Menschen betrifft, der irrt. "Ältere Leute gehen oftmals bei solchem Wetter erst gar nicht vor die Tür", berichtet Lehnen. "Bei uns werden Glatteisopfer jeglichen Alters eingeliefert." Und auch Fahrradfahrer sind bei diesem Wetter stark gefährdet. "Gestern wurden allein sechs Radfahrer bei uns mit Brüchen ärztlich versorgt", berichtet Lehnen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


