Nettetal: Grenzraum verliert zunehmend Anschluss
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 17.03.2009Nettetal (RPO). "Man gewinnt immer mehr den Eindruck, dass der deutsche Grenzraum ein vernachlässigter Hinterhof der Infrastrukturpolitik in Ihrem Land ist." Theo Stroeken (70) ist enttäuscht. Er sieht Stillstand bei den grenzüberschreitenden Kontakten. Eine Region, die sich selbst einmal als Herzstück Europas bezeichnete, scheine sich vom europäischen Nachbarn abzuwenden. Den Anlass lieferte der RP-Bericht über die Bahnstrecke zwischen Kaldenkirchen und Dülken. Vor zehn Jahren war zum zweigleisigen Ausbau eine positive Studie erschienen. Sie verschwand danach auf Nimmerwiedersehen.
"Mir tut besonders der Kreis Viersen viel zu wenig", kritisiert Stroeken. Der Venloer kennt sich aus: Er war viele Jahre Beigeordneter in seiner Heimatstadt und gehörte dann der christdemokratischen Fraktion im niederländischen Parlament an. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender des Transportriesen Seacon und Vorsitzender der im Trade Port Venlo ansässigen Unternehmen.
"Die Region im Großraum Venlo hat in ihrer grenzüberschreitenden Lage ein enormes Potenzial für wirtschaftliches Wachstum. Aber das wird auf deutscher Seite nicht mobilisiert, sondern eher gemieden", sagt Stroeken. Er habe in den vergangenen Jahren den Eindruck gewonnen, dass es Kräfte in der deutschen Nachbarschaft gebe, die einer Annäherung gezielt aus dem Wege gehen. "Man könnte meinen, dass man Kontakte fast ängstlich meidet. Ich wüsste gerne warum."
Natürlich teile er die Enttäuschung darüber, dass der seit Jahren angestrebte Lückenschluss der Autobahn zwischen Venlo und Nettetal nicht gelinge. Er bedaure sehr, dass der niederländische Gesetzgeber bisher kaum überwindbare Hürden aufgebaut habe. Das könne aber nicht der Grund dafür sein, dass die Eisenbahnverbindung nicht vorangetrieben werde.
So bilden die Städte Venlo und Eindhoven, die Regionen Brabant und Nordlimburg sowie der Greenport und der international bedeutende Science Park Eindhoven eine Zweckgemeinschaft. Sie wollen erreichen, dass schnelle Personenzüge auf der Achse Eindhoven-Düsseldorf verkehren (eventuell mit Verlängerung bis Rotterdam). Im Raum Aachen/Maastricht haben niederländische und deutsche Partner bereits eine Menge Geld in die Hand genommen, um die Bahn-achse Köln-Eindhoven zu optimieren. "Im Kreis Viersen oder in Düsseldorf rührt sich nichts. Es ist mir vollkommen unverständlich, warum", sagt Stroeken. Seine Landsleute setzen unterdessen weiter auf die Bahn: Die Provinz Limburg lässt untersuchen, ob auf der "Maaslijn" von Nimwegen über Venlo nach Süden Schnellzüge eingesetzt werden können. In Den Haag liegen dafür 16 Millionen Euro bereit.
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