Nettetal: Griff nach dem Sand
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 11.05.2007Nettetal (RPO). Die Bezirksregierung in Düsseldorf will Flächen in Leuth und Lobberich ausbeuten lassen, mit denen die Stadt schon früher nicht einverstanden war. Berührt sind Landschafts- und Wasserschutz sowie wertvolle FFH-Gebiete.
Geht es nach den Vorstellungen der Bezirksregierung in Düsseldorf, dann verwandeln sich Teile von Leuth und Lobberich in den kommenden Jahren in eine Mondlandschaft. Vom grünen Tisch aus wollen die Verantwortlichen darüber bestimmen, dass zahlreiche wertvolle Ackerflächen und Landschaft verschwinden, damit Kies und Sand aus dem Untergrund abgebaut werden können.
„Wir sehen den erneuten Vorstoß der Bezirksregierung kritisch“, erklärte die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche im Umweltschutzausschuss. In der Politik mag man sich auf diplomatische Formulierungen schon nicht mehr einlassen. Quer durch die Fraktionen hatte sich schnell eine Meinung gebildet: Das muss verhindert werden. Denn diesen Versuch hatte die Stadt vor einiger Zeit schon mal abgewehrt, als Ersatz für die Auskiesungen am Rhein gesucht wurde.
Es geht um Kies
Leuth Nordwestlich des Nettetaler Ortsteils sind 18 Hektar bereits genehmigt. Neu ausgewiesen werden sollen Flächen von 35 ha, die zum Teil direkt bis an die B 221 heranreichen.
Lobberich In diesem Stadtteil will die Düsseldorfer Bezirksregierung drei Flächen, insgesamt etwa 24 ha, südlich der B 509 auf der Kuppe des Höhenzuges auskiesen lassen. Sie liegen alle in der Wasserschutzzone, sie berühren außerdem das Bodendenkmal „Geldrische Landwehr“.
Die Düsseldorfer scheinen nicht ganz ohne Hintergedanken vorgegangen zu sein. Susanne Fritzsche berichtete, die Anhörung sei in die Osterferien platziert und mit einer recht kurzen Frist versehen worden. Vielleicht steckte dahinter die Hoffnung, das Schreiben werde nur oberflächlich zur Kenntnis genommen. „Es handelt sich um bereits bekannte Flächen, die uns wieder untergeschoben worden sind“, berichtete die Dezernentin. Abbaupläne gibt es für den Nordwesten von Leuth, wo sich sowieso schon Bagger tief in die Erde fressen, und ausgerechnet im Osten von Lobberich, auf der Kuppe des Höhenzuges. Dort lagern Formsande, die in Gießereien sehr begehrt sind. Der Abbau wird aber die Landschaft dort erheblich verändern, berührt wird eine Wasserschutzzone und die von der Stadt ausgewiesene Vorrangfläche für Windräder. Landwirt Heinz Schmitz (CDU) war empört. Ausgerechnet diese Flächen gehörten mit 92 Bodenpunkten zu den wertvollsten Böden überhaupt. In Leuth gibt es ebenfalls Konflikte mit der Landschaftsplanung. Berührt wird gar ein FFH-Gebiet nach den besonders strengen europäischen Richtlinien für Naturschutz. Auch dort sind Waldflächen und Wasserschutzbereiche betroffen.
Entschieden ist nichts, man befindet sich erst im Vorverfahren. „Wenn man sich jetzt aber nicht meldet, dann wird’s schwer, das zu verhindern“, erklärte Susanne Fritzsche. Sie riet dazu, die Mitglieder im Regionalrat, das politische Gremium auf Ebene der Bezirksregierung, für die Ziele der Stadt einzuspannen. Denn es steht auch fest, dass der Abbau vor allem in die Niederlande exportiert wird, wo viel restriktivere Abbaubestimmungen gelten. Auf Eigentümer von Flächen lässt sich wohl nur bedingt setzen: „Ohne Eigentümer wird nie ausgekiest“, so die Dezernentin. Sie will die Flächen aus der Planung herausholen.
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