Nettetal: Grüne wollen Gesamtschule stärken
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 14.05.2009Nettetal (RPO). Das ist keine Streitkultur
Die Zahl der Gesamtschulplätze in Nettetal soll sich ab dem Schuljahr 2010/11 am Bedarf orientieren. Dies fordern die Nettetaler Grünen in einem Antrag für die Sondersitzung des Schulausschusses am 16. Juni. Die Verwaltung solle das entsprechende Konzept ausarbeiten.
Die Grünen berufen sich darauf, dass seit Jahren doppelt so viele Schüler angemeldet werden wie aufgenommen werden können. Sie weisen auch auf die Ergebnisse der Elternbefragung zum Schulentwicklungsplan hin. Dies aktuelle Praxis sei ein "schulpolitischer Skandal". Lediglich zwei Prozent der Eltern wollten ihr Kind an der Hauptschule anmelden, 13 an der Realschule, aber 31 am Gymnasium und 42 an der Gesamtschule. Die bestehende Nettetaler Schullandschaft stimme also nicht mit dem Elternwillen überein. Es bleibe festzuhalten, dass die Realschule und die beiden Hauptschulen unabhängig von der guten pädagogischen Arbeit dort nur deshalb fortbestehen könnten, weil von der Gesamtschule so viele Kinder abweisen müsse. Gehandelt werden müsse auch vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Schüler insgesamt sinkt. Die Vielfalt der Schulformen könne allein deshalb nicht bestehen bleiben.
Die Grünen berufen sich auf das Schulgesetz, das die formalen Voraussetzungen zur Gründung einer zweiten Gesamtschule liefere: Eine neue Gesamtschule müsse vierzügig geführt werden. Die erforderlichen 112 Anmeldungen seien in Nettetal gewährleistet. Auch wenn die Landesregierung neue Gesamtschulen nicht im gebundenen Ganztag genehmige, müsse dies das Ziel sein. In den Oberstufen sollte die Zusammenarbeit mit der bestehenden Gesamtschule gesucht werden.
Ob jede Äußerung in letzter Zeit noch dem Ziel diente, dem sonst über alles gestellten Elternwillen zu dienen, darf bezweifelt werden. Souveränität und Gelassenheit sowie die Bereitschaft zum demokratischen Streit sehen jedenfalls anders aus. Christian Schürmann hat sicherlich eine kritikwürdige Ausdrucksweise gewählt. Dass aber auf eine parteipolitische Tatsachenbehauptung hin im Rathaus mit der juristischen Keule gedroht wird, berührt unangenehm. Ginge es so dünnhäutig in Düsseldorf oder Berlin zu, säßen alle Politiker nur noch vor Gericht. Schürmann reagierte darauf beleidigt, legte aber in der Sache nicht nach. Und jetzt erhält Schönfelder (und damit der Wahl kämpfende Bürgermeister Wagner) Flankenschutz vom Grand Seigneur der Nettetaler CDU, Christian Weisbrich. Ist die Not der Union so groß, dass er mobilisiert wird und auch persönlich wird? Die Diskussion verfolgen junge Menschen, weil sie sie angeht. Mäßigung und demokratische Streitkultur wären angebracht. Aber das Format hat Nettetal schon lange verloren. Niemand wüsste es besser als Weisbrich selbst.
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