Nettetal: Gut gestylte Jedi-Ritter
VON PHILIPP PETERS - zuletzt aktualisiert: 18.10.2010Nettetal (RPO). Der erste Nettetaler Jungentag in der Arche dürfte nicht der letzte gewesen sein. Jungs jeden Alters kamen, um zu tanzen, zu spielen und Spaß zu haben. Das Thema Integration ist bei vielen Gegenstand intensiver Gespräche.
Auch Jungs brauchen ihren Tag. Einen Tag, an dem sie unter sich sind und sich ausprobieren können – sportlich, wagemutig, aber auch stylish. Das ist die Bilanz des ersten Nettetaler Jungentags am vergangenen Samstag in der Lobbericher Arche.
Eigener Wunsch
"Die Jungs selbst, aber auch Eltern, sind auf uns zugekommen und haben nach einem solchen Angebot gefragt", erklärt Stefan Pläp vom Jugendheim Arche. Er steht in der Küche und schmiert eifrig Brötchen. Junge Leute haben erfahrungsgemäß immer Appetit. Ein Junge im Flur unterbricht die Arbeit: "Ist da in den Sachen auf dem Buffet Schweinefleisch?" fragt der junge Muslim. Pläp beruhigt ihn: Natürlich nicht, inzwischen ist man in Jugendeinrichtungen erfahren, was solche Dinge angeht.
Weitere Angebote
Beratung Der Verein Kontakt, Rat, Hilfe hatte gleich am Eingang seinen Stand zum Thema Suchtberatung aufgestellt. Viele Jungen nutzten suchten das Gespräch.
Boxen Zum Boxen verspürte niemand große Lust. Der westdeutsche Jugend-Schwergewichtsmeister Dominik Vial bekam niemanden vor die Fäuste.
Gleich hinter der Küche wartet der 16-jährige Mehmet Bartu darauf, dass sich jemand zu ihm verirrt. Bartu möchte den Jungs zeigen, wie man Breakdance macht. "Das Ganze ist vor allem eine Kopfsache, aber es muss auch Kraft da sein, um sich selber zu tragen" erklärt er. Einige Jungen zeigen Interesse. Ihnen zeigt er für den Anfang einige Grundschritte, beispielsweise den Six-Step oder auch den Top-Rocks. Es wird eifrig geübt.
Gleich nebenan tummeln sich einige der jüngsten vor einer riesigen Leinwand. Da wird allenthalben über mangelhafte Integrationswilligkeit diskutiert, und hier hocken vornehmlich türkische Jungen zusammen, die beim FIFA-11-Turnier an der Play Station eben nicht mit türkischen Teams. Gerade spielt die DFB-Elf gegen den FC Barcelona und gewinnt nach Verlängerung mit 1:0 durch Gomez.
"Wir sind zufrieden mit dem Verlauf des Tages", stellt Pläp fest. Abseits des Trubels plaudert er ein wenig über den Alltag in der Arche. "Die Jugendlichen diskutieren auch über Politik, da fällt auch mal der Name Sarrazin." Vor kurzem habe ein Jugendlicher sogar gemeint, zur Integration müssten sich beide Seiten bewegen. Das Thema spiele in den letzten Wochen eine wichtige Rolle in den Gesprächen.
In einer Ecke lassen sich etwa ein Dutzend Jungen stylen. "Hier kann jeder seine Rolle ausspielen", meint Streetworker Friedel Plöger, während er in Kostümen wühlt. Ein professioneller Stylist schneidet Haare und gibt Tipps. Aufwändig posen kann jeder. Besonders gefragt ist der weiße Anzug mit Hut. Wer ihn trägt, sieht aus wie der Pate höchstpersönlich. Als sich ein Junge einen Kapuzenumhang überwirft, sehen die Älteren genauer hin. "Das ist doch der Umhang der Jedis aus Star Wars?!" Jeder will hineinschlüpfen, es wird ein Bild gemacht, das am PC bearbeitet wird. "Wir haben schon über 120 Bilder ausgedruckt", lächelt Plöger. Der Jungentag wird sicherlich 2011 wiederholt.
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