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Nettetal: Harmonie in Müll

VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 29.03.2010

Nettetal (RPO). Acht von neun Einsammelverträgen laufen im Jahr 2014 aus. Im Betriebsausschuss des Kreistags werden jetzt Weichen für eine Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden gestellt. Ziel: Einer für alle.

Wie viel Harmonie verträgt die Gemeinschaft der kreisangehörigen Gemeinden und wie groß ist das Misstrauen gegenüber dem Kreis als Institution? Diese Frage hat vor zwei Jahren der Kreis indirekt aufgeworfen, als er ein neues Müllkonzept anstieß. Warum, so lautete die Frage, muss eigentlich jede Gemeinde das Einsammeln von Abfall selbst organisieren? Kann nicht der Kreis, der die weitere Behandlung und Verwertung regeln muss, das Einsammeln auch organisieren?

Es ist möglicherweise kein Zufall, dass aus der Stadt Nettetal vier Kreispolitiker im Betriebsausschuss des Kreistages sitzen. Denn neben Grefrath entschied sich Nettetal, mit dem Ident-System einen Schritt in diese Richtung zu gehen. Andere Kommunen zeigten dagegen dem Betriebsausschuss die kalte Schulter. Aber es gibt eine Chance: Im Jahr 2014 laufen Verträge zur Entsorgung aus. Kaum jemand wird diese Verträge einfach nur noch verlängern können, ohne sich die Frage zu stellen, ob das im Sinne von verantwortungsvoller Abfallwirtschaft und der zahlenden Bürger sein kann.

Info

Alles Abfall

Gewerbeabfall Seitdem gewerblicher Abfall auch als verwertbares Wirtschaftsgut eingestuft werden kann (Kreislaufwirtschaftsgesetz), sind die Mengen erheblich zurückgegangen: 1989 noch 186 000 t, 2009 noch 9000 t.

Privater Abfall Etwa 80 000 t waren vergangenes Jahr Restmüll, 81 000 t wurden verwertet (Kompostierung, Papier etc., Elektroschrott.

Anorganischer Abfall Auf der Deponie Brüggen II wurden 2009 rund 105 000 t Rost- und Kesselasche (75 Prozent davon Rückstände aus Verbrennung) deponiert.

Nicht zurück in Kleinstaaterei

Der aus Nettetal stammende Ausschuss-Vorsitzende Hans-Willy Troost sah den Kollegen in der jüngsten Sitzung ganz tief in Augen, als er fragte: "Sind wir uns einig in der Harmonisierung?" Klare Antworten erhielt Troost aber nicht. Nur der Nettetaler Hans Kettler (SPD), folgte ihm direkt: "Es wäre wohl Blödsinn zu erklären, wir wollten zurück in die Kleinstaaterei." Die Kollegen von der CDU drucksten herum, ohne sich klar auszudrücken. Willi Michels aus Brüggen erinnerte den Leiter des Abfallbetriebs, Reinhard Wernitz, lieber daran, dass er bei seiner kürzlichen Ident-Werbetour fürs große Ganze an der Schwalm Schiffbruch erlitten habe. Er selber sei in seiner Heimatgemeinde "der einsame Rufer in der Wüste" gewesen. Michels will offenkundig nicht noch einmal allein stehen. Die Grünen sagten lieber mal gar nichts zum Thema.

Der Technische Dezernent Andreas Budde, mit Wernitz Leiter des Abfallbetriebs, bat die Politiker dennoch, "diese einmalige Chance nicht verstreichen zu lassen". Die liegt im Jahr 2014, wenn acht von neun Sammelverträgen auflaufen. "Ich hoffe, dass von politischer Seite dann die Unterstützung kommt", erklärte Wernitz. Er stelle sich die Frage, "warum sollen alle denselben Käse ausschreiben? Wenn es uns allerdings dann nicht gelingt, das System zu harmonisieren, dann geht es wohl nicht mehr." Der Kreis schreibt die Verwertung von Papier, Pappe und Karton (PPK), die jetzt ansteht, auch nur bis 2014 aus. Das Ziel ist klar: Auch hier geht es um eine harmonische Ausschreibung mit den Städten und Gemeinden.

Quelle: RP

 
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