Nettetal: Heiße Rennen im Rollstuhl
VON PHILIPP PETERS - zuletzt aktualisiert: 21.09.2009Nettetal (RPO). Die Pfadfinderschaft St. Georg organisierte einen Aktionstag zum Umgang mit behinderten Menschen auf dem Areal des Jugendzentrums Arche in Lobberich. Viele bauten Hemmnisse ab und nahmen neue Impulse mit.
Am Brett mit den aufgeschraubten Hölzern bleiben die meisten Kinder mit ihren Rollstühlen hängen. Genau diese Erfahrung sollen sie machen beim Aktionstag "Die Arche wird Gelb". Er ist Kernstück der Jahresaktion "Leben ist mehr" der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) in Nettetal.
Unter Federführung des Stammes Breyell wollen die Pfadfinder auf alltägliche Probleme Behinderter aufmerksam machen und andere sensibilisieren. "Ich selber habe in meinem Umfeld keinen Kontakt zu Behinderten. Aber aus diesem Projekt nehme ich für mich viel mit", berichtet Claudius Förster. Offen räumt er ein, er habe auch Berührungsängste ein wenig abgebaut. Gleichzeitig aber zeigen behinderte Besucher sich erstaunt, dass Pfadfinder selbstverständlich Behindertenarbeit betreiben.
Einsatz im Rollstuhl
Rollstühle Durchweg waren bis zu acht Rollstühle verschiedenster Bauart im Einsatz. Stefan Voormans stellte den Rennrollstuhl zur Verfügung, mit dem er Deutscher Meister im Rolli-Triathlon wurde.
Jahresaktion Jedes Jahr Ruft der Bundesverband der DPSG Pfadfinder eine allgemeine Jahresaktion für alle Stufen aus, die in diesem Jahr unter dem Motto "Leben ist mehr" steht.
Kontakt über Somedi
Die Kinder der verschiedenen Alterstufen haben sichtlich Spaß daran, mit dem Rollstuhl zu fahren und sich zu testen. "Ich glaube, der Parcours ist zu einfach. Wir machen mal ein Wettrennen", sagt der Rollstuhlfahrer Stefan Voormans. Wenig später starten heiß umkämpfte Rennen. Den Kontakt knüpfte die DPSG zu Voormans, als die Pfadfinder für den Verein Somedi sammelten und den Kauf von zehn Rollstühlen für ein Projekt in Indien ermöglichten. Voormans vermittelte den Kontakt zum rehateamWest, das die Pfadfinder enorm unterstützte. "Diskutieren über Behinderte kann jeder, aber die Pfadfinder machen einfach was", sagt Holger Falk beeindruckt. Durch den spielerischen Umgang mit Rollstühlen oder bei Tastspielen mit Seh-Einschränkungen verlieren Kindern Berührungsängste. "Die Gesellschaft ist im Umgang mit Behinderten sehr aufgeschlossen" bemerkt Falk. "Es sind eher gesundheitspolitische Ebenen und Behörden, die Behinderten das Leben mit Unwissen oder falscher Rechtsauslegung das Leben schwer machen."
Zur Unterstützung hatten die Pfadfinder den "gelben Bus" nach Lobberich geholt. "Der Bus ist gezielt mit Medien ausgestattet, die sich mit Behinderung befassen. Bücher und Broschüren für die Gruppenstunde oder Spiele und Material zum spielerischen Umgang" berichtet Förster. Sonst ist der Bus ein normaler Transportbus der DPSG für Behinderte. Förster wertet später den Tag an der Arche als Erfolg. "Einige Leute sind spontan gekommen, Stämme aus Nettetal waren auch hier und haben das ganze einmal ausprobiert", stellt er fest. Natürlich hatten die Pfadfinder, wie es sich gehört, auch eines ihrer klassischen Zelte, eine Jurte aufgebaut. Darin wurde das bei Kindern beliebte Stockbrot gemacht und Popcorn zubereitet. FRAGE DES TAGES
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