Nettetal: Historie vor Zukunft
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 23.08.2008Nettetal (RPO). In Leuth war die Wettbewerbsjury „Unser Dorf hat Zukunft“ zu Besuch. Bei der Präsentation zeigte sich der Stolz der Leuther auf ihre Vergangenheit. Wie sich das Dorf in den nächsten Jahren entwickeln, erfuhr man nicht.
Leuth riecht nach frischem Porree. Der feine Geruch empfängt die sechsköpfige Jury des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“. Im Bürgerraum bekommt sie einen ersten Eindruck davon, was in Leuther Gewächshäusern und auf Feldern wächst: Rosen, gelbe und rote Tomaten, grüne Bohnen, Rotkohl. Alles appetitlich dekoriert. Auf den Tischen zitiert lila Erika die Heidelandschaft, die es einst rund um das Dorf gab. Die Leuther wollen einen guten Eindruck machen. Sie wollen den Wettbewerb gewinnen.
In der vergangenen Woche haben die Leuther nochmal Gas gegeben. Ihr Dorf auf Schwachstellen durchleuchtet, die Stärken formuliert. „Die Menschen hier sind so sympathisch und es ist ein geschichtsträchtiger Ort“, fasst Ortsvorsteher Heinz-Robert Reiners das Ergebnis kurz zusammen.
Das Dorf Leuth
Einwohner 1825 Menschen leben zurzeit in Leuth
Vereine Insgesamt gibt es 30 Vereine, die zusammen 1275 Mitglieder zählen. Viele Leuther sind in mehreren Vereinen. So bleibt in dem Dorf ein starkes soziales Netz. Zusätzlich haben sich zehn Straßengemeinschaften gebildet.
Schulen In Leuth gibt es eine katholische Grundschule. Die 50 Schüler besuchen vier Klassen. Dazu verfügt Leuth über Kindergärten und einen eigenen Kinderhort.
Das kann Armin Schönfelder nur bestätigen. Er ist vor gut sechs Monaten von Mecklenburg-Vorpommern in die Gegend gezogen. Bei der Stadt Nettetal ist er als Beigeordneter für Tourismus und Kultur zuständig. „Leuth liegt wunderschön im Grünen, hat eine dörfliche, wohlbehütete Wohlfühlstruktur, und gleichzeitig sind die wichtigsten Infrastruktur-Einrichtungen wie Arzt, Bank und Einzelhandel vorhanden“, zählt er auf.
Das Gleiche sagen in einem halbstündigen Vortrag auch die Mitglieder des Wettbewerbs-Komitees, die Leuth. Viel ist von der Geschichte des Ortes die Rede, auch die Historie des Fliegerhorstes wird ausgiebig erläutert. Dagegen nehmen die Zukunftsprojekte in Leuth nur wenig Zeit in Anspruch. Die Gestaltung des Fliegerhorstes, die Erhaltung alter Bauernhöfe und dass in der Landwirtschaft moderne Technik eingesetzt wird, kommt zur Sprache. Die Jury-Mitglieder machen sich Notizen und lächeln freundlich. Was sie denken, ist nicht zu erkennen.
Leuth sei das dritte Dorf an diesem Tag, das sie besichtigen, erzählt Dr. Anke Schirocki. Sie vertritt die Landwirtschaftskammer NRW. Noch zwei Dörfer im Raum Mönchengladbach stehen für diese Woche auf der Liste. Anfang September wird entschieden, wer das Rennen gemacht hat.
Manfred Meis vom Verkehrs- und Verschönerungsverein führt durch das Dorf: der Friedhof mit der neugotischen Kreuzigungsgruppe aus Kalksandstein, die große Blutbuche, für die acht Menschen benötigt werden, um ihren mächtigen Stamm zu umfassen. Vier Gaststätten hat das Dorf, davon eine, die gleichzeitig Bäckerei und Postfiliale ist. Die Kommissionsmitglieder machen sich Notizen.
Mit den 75 Minuten kommen die Leuther für ihre Präsentation nicht aus. Zu viel gibt es zu zeigen. Doch Annegret Dedden, Sprecherin der Jury, kennt kein Pardon: Die Tour wird abgebrochen. Manfred Meis ist trotzdem zuversichtlich. „Wir haben immer wieder auf unser bürgerliches Engagement hingewiesen“, sagt er. „Ich habe ein gutes Gefühl.“
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