Nettetal: Hochwürden radelt durch Europa
VON EBERHARD LANGE - zuletzt aktualisiert: 25.10.2010Nettetal (RPO). Der Arzt riet Pfarrer i.R. Hans Beckers zu noch mehr Bewegung. Der passionierte Bergwanderer, der schon manchen Gipfel erstiegen hat, ersteigerte sich im Internet ein Fahrrad. Er fuhr nach Rom, Tours und Santiago di Compostella. In diesem Jahr strampelte er bis an die ostpolnische Grenze.
Hans Beckers, 72 Jahre alt und Pfarrer im Ruhestand, liebt die Extreme. Nach sorgsamer Vorbereitung steigt er aufs Rad und legt in langen Etappen Strecken von annähernd 2000 Kilometern zurück. Seine jüngste Tour führte den katholischen Geistlichen nach Nordost-Polen, bis fast nach Kaliningrad (früher Königsberg). Zum knappen Reisegepäck gehören stets das Neue Testament und ein Brevier.
Ein gutes halbes Jahr lang bereitete Beckers (72) die Fahrradtour vor. Route und Gepäck mussten sorgfältig geplant werden. Darin hat er reichlich Erfahrung. Denn 2005 fuhr er auf dem neuen Mountainbike nach Rom. 2006 radelte er nach Wien, 2007 in die Martinsstadt Tours in Frankreich und 2008 von Tours nach Santiago di Compostella. 2009 ging's durch die Niederlande, Belgien, Frankreich und England nach Schottland.
Pfarrer i.R. Beckers
Hans Beckers wohnt seit November 2009 im Marienheim. Er hält in der Hauskapelle Gottesdienste und hilft in St. Sebastian Lobberich und St. Peter Hinsbeck aus.
Krefeld Er war 32 Jahre Pfarrer in St. Josef in Traar. Im Rahmen der pastoralen Neugliederung wurde St. Josef mit vier weiteren Pfarreien zusammengelegt. Der Bischof versetzte Beckers zum 1. Dezember 2009 in den Ruhestand.
Selfkant Geboren und aufgewachsen ist Beckers im Selfkant (Kreis Heinsberg).
20,5 Tage unterwegs
Die ersten Touren startete er in Krefeld, nach Polen brach er von Hinsbeck aus auf. Er besuchte Priester, die in den vergangenen 25 Jahren in der Pfarrei St. Josef (Krefeld-Traar) die Urlaubsvertretung übernommen hatten. Einen besuchte er an seinem Grab. 20,5 Tage benötigte er für die 1971,7 Kilometer lange Strecke bis Braniewo (Braunberg). Von dort fuhr er zurück über Fromburg nach Danzig, seinem eigentlichen Ziel.
Weil ihm ein Kardiologe zu mehr Bewegung riet, schwang der sportliche Pfarrer sich aufs Rad. Bergwanderungen und Klettertouren hatte er immer schon unternommen und dabei nahezu alle europäischen Gipfel bestiegen. Im Internet ersteigerte Hans Beckers ein Mountain-Rad aus Aluminium, das zusammengeklappt bequem in einer Tasche verstaut werden kann. So passt es als Handgepäck in den ICE ebenso wie ins Flugzeug. "Für die Rückreise ideal", erklärt er.
Ausgerüstet mit Minibrevier, Neuem Testament, Handy und Navigationsgerät, Flickzeug, Werkzeug, Ersatzschläuchen, Regenschutz, Wäsche, Toilettenbeutel, Medikamenten, Fotoapparat, Ladegerät und Ersatzakkus ging es los. Alles passt in zwei seitliche Taschen. Fahrradhelm, Handschuhe und eine signalfarbene Jacke nahm er sicherheitshalber auch mit. 1035 Kilometer strampelte er durch Deutschland, meist an Flüssen und Kanälen vorbei.
24 Gänge gut genutzt
Tagesstrecken legte er nicht fest. Er fuhr vielmehr so weit, wie es Rücken- oder Gegenwind und Fahrbahnbeschaffenheit zuließen. Ab 19 Uhr suchte er ein Quartier. Damit sei er im Wortsinn stets gut gefahren, so auch in Polen. Die 24 Gänge seines Rades habe er vor allem in Polen, das gar nicht so flach sei, gut gebrauchen können. Unterwegs sprach Beckers viel mit den Menschen, er erfuhr einiges über die Lebensverhältnisse in Polen. Die Landschaft mit vielen Wäldern, immer mehr hübschen Häuschen und das gute Wetter habe er unterwegs sehr genossen, berichtet der Tourenfahrer.
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