Nettetal: Huldigung eines Großen
VON ANGELA WILMS-ADRIANS - zuletzt aktualisiert: 09.05.2009Nettetal (RPO). Längst überfällig, endlich da: Ein Buch über den aus Lobberich stammenden Altphilologen Werner Jaeger haben Manfred Meis und Dr. Theo Optendrenk herausgegeben. An dem Werk haben weitere Jaeger-Kenner mitgearbeitet.
Gymnasium, Theaterhalle und eine Straße tragen seinen Namen. Dennoch ist das Wissen über Werner Jaeger in seiner ehemaligen Heimat Lobberich nicht besonders groß. Dabei zählt der Altphilologe zu den bedeutendsten Vertretern seines Fachs. Ein Buch über dessen Leben und Werk war längst überfällig, so Hans K. Matussek, in dessen Verlag die Dokumentation über den größten Sohn der Stadt erschien. In einer sehr gut besuchten und vom Schulorchester musikalisch abgerundeten Feierstunde stellten die Herausgeber Manfred Meis und Dr. Theo Optendrenk die gelungene erste Auflage vor.
Der Stolz des Vaters
Werner Jaeger
Leben Geboren am 30. Juli 1888 in Lobberich geboren. Gestorben 19. Oktober 1961 in Boston.
Werk 1907 Beginn des Studiums der Philosophie und Altphilologie. 1914 Probelesung über "Das Ziel des Lebens in der griechischen Ethik von der Sophistik bis Aristoteles". Berufungen an die Universitäten Basel, Kiel, Berlin. Im Jahr 1939 Berufung an die Universität in Boston.
Den Anstoß für die Spurensuche hatte Pfarrer Dr. Matthias Engelke gegeben. Für die Publikation "erkundete" er unter anderem Werner Jaegers 1934 erschienenes Hauptwerk "Paideia", das die "Formung des griechischen Menschen" thematisiert. Der Journalist Manfred Meis erzählte, wie er schon als Kind den Stolz des Vaters auf Werner Jaeger mitbekam. Meis bezeichnete die Entstehung des Buches als einen fortwährenden Prozess der Spurensuche. Eine Fundgrube seien die Chronikbände im Direktoriumszimmer des Gymnasiums gewesen.
Der ehemalige Schulleiter Dr. Hans Jakob Pauly recherchierte zu "Werner Jaeger und ,seine' Schule". Mit Karl Hans von Ditzhuyzen konnte ein Co-Autor gewonnen werden, der den Altphilologen noch persönlich kennen gelernt hatte. Studienrat Klaus Hubatsch untersuchte den "Humanismus heute". Mit-Herausgeber Dr. Theo Optendrenk bescheinigte Werner Jaeger den "Rang eines bedeutenden Gelehrten seines Fachs und eines herausragenden Organisators von Wissenschaft" sowie eine "charismatische" Persönlichkeit von gewinnender Ausstrahlung. "Unser Buch soll neugierig machen und vielleicht ein wenig zum Staunen anregen über eine uns fremd werdende Welt", sagte der Altphilologe.
Schon in jungen Jahren habe Werner Jaeger internationale Anerkennung in der Zeit des ersten Weltkrieges und danach genossen. Das sei um so bemerkenswerter, da deutschen Wissenschaftlern der Austausch damals entzogen wurde.
Überraschende Briefe
Im Archiv des Kröller-Müller-Museums fand der Altphilologe Optendrenk einen überraschenden Fundus an Briefen von Werner Jaeger. Darunter war ein Schreiben, in dem Jaeger von seiner Rückkehr in die Heimat nach 16 Jahren erzählt. FRAGE DES TAGES
Buch: Manfred Meis, Dr. Theo Optendrenk (Hrg.): Werner Jaeger, Verlag Matussek, 128 Seiten, 14.90 Euro
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