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Nettetal: "Invasion der Freundlichkeit"

VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 13.01.2010

Nettetal (RPO). Der evangelische Pfarrer Dr. Matthias Engelke protestiert seit Jahren gegen die "nukleare Teilhabe" der Bundesrepublik. Mit einem "Rosen-go-in" im Juli kam er mit dem Gesetz in Konflikt. Das Gericht zeigte Verständnis.

Mit der "Invasion der Freundlichkeit" auf einem Bundeswehr-Stützpunkt in Rheinland-Pfalz landete Dr. Matthias Engelke vor Gericht.  Foto: RPO
Mit der "Invasion der Freundlichkeit" auf einem Bundeswehr-Stützpunkt in Rheinland-Pfalz landete Dr. Matthias Engelke vor Gericht. Foto: RPO

Ein wohlkalkulierter Akt zivilen Ungehorsams hat den Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck, Dr. Matthias Engelke, am Montag vor die Schranken des Amtsgerichts in Cochem gebracht. Rein rechtlich ging es darum, dass er unbefugt das Gelände einer Bundeswehreinheit betreten hatte und der Aufforderung zu gehen, nicht Folge leistete. Der Pfarrer, der seit vielen Jahren aktiv in der Friedensbewegung mitwirkt, hatte mit seiner Aktion gegen den letzten Standort der Bundeswehr, in dem sich Atomwaffen befinden, protestieren wollen.

Engelke gehört dem Internationalen Versöhnungsbund an. Er hatte mit drei weiteren Atomwaffengegnern im Juli an der "Rosen-go-in"- Aktion teilgenommen. Sie wollten Bundeswehrsoldaten Rosen überreichen und Flugblätter verteilen, in denen sie die Soldaten aufforderten, sich gegen die völkerrechtswidrige nukleare Abschreckung zu wehren. Es folgte ein Strafbefehl auf Antrag des Kommandanten, in dem unter Androhung einer Geldstrafe eine Verwarnung gegen den Pfarrer ausgesprochen wurde. Da er nicht angehört wurde, legte Pfarrer Engelke Widerspruch ein – es kam zur Verhandlung am Amtsgericht Cochem.

Info

Pastorale Aufgabe

Beweggründe Weil er als Militärseelsorger mit dem Thema konfrontiert wurde, laste es für immer auf ihn, sagt Pfarrer Engelke.

Ziele Weil die nukleare Teilhabe gegen Recht verstoße, müsse man Soldaten von ihrer "unverantwortlichen Aufgabe" befreien.

Aktionen Die Friedensbewegung will in diesem Jahr einen Ostermarsch am Luftwaffenstützpunkt Büchel in Rheinland-Pfalz organisieren.

Dank der Begleitung zahlreicher Friedensaktivisten aus der Umgebung bis nach Luxemburg sei es ihm vor Gericht gut ergangen, berichtete Engelke gestern. Das Gericht zeigte durchaus Verständnis für die "Invasion der Freundlichkeit", wie Engelke die Aktion bezeichnete. Trotz der vom Pfarrer vorgetragenen ehrenwerten Motive habe sie allerdings nicht "demokratischen Spielregeln" entsprochen. Es blieb bei der Geldbuße in Höhe von 500 Euro, die Engelke nun der Tafel in Cochem überweisen muss. Wichtig ist dem Pfarrer, dass damit für ihn auch weiterhin keine Vorstrafe verbunden ist.

Für Engelke ist das Eintreten gegen nukleare Waffen aus "christlichen Beweggründen eine Aufgabe des pastoralen Amtes". Er war, ehe er nach Lobberich und Hinsbeck kam, unter anderem einige Jahre auch Militärseelsorger gewesen. Dort begann seine kritische Auseinandersetzung gerade mit dem Instrument der nuklearen Abschreckung. Nach Konflikten nicht nur mit der Bundeswehr sondern auch mit den zuständigen Stellen der evangelischen Kirche dort verließ Engelke die Militärseelsorge. Seither beteiligt er sich regelmäßig an Aktionen, die gegen die nukleare Teilhabe der Bundesrepublik gerichtet sind. Engelke weist darauf hin, dass sie gegen den Atomwaffensperrvertrag verstoße, dem die Bundesrepublik als Nicht-Kernwaffenstaat beigetreten sei.

Nach dem alttestamentarischen Vorbild des Falls von Jericho umrundeten Friedensaktivisten jährlich zwischen 2002 und 2008 – also sieben Mal – den Luftwaffenstützpunkt Büchel, wo angeblich 20 US-Atombomben für Bundeswehr-Jets lagern. Im vergangenen Jahr folgte das "Rosen-go-in". Vorerst wird der Pfarrer an keinen Aktionen teilnehmen: "Im neuen Koalitionsvertrag ist die Atomwaffenfreiheit aufgenommen. Darauf vertraue ich." FRAGE DES TAGES

Quelle: RP

 
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