Nettetal: Jaeger stolz auf seine Schule
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 29.07.2008Nettetal (RPO). Es gibt dreifachen Anlass, an Werner Jaeger, Lobberichs größten Sohn, zu erinnern: 120. Geburtstag, 75. Jahrestag der Herausgabe der „Paideia“ und 50. Jahrestag der Namensgebung „Werner-Jaeger-(Pro)Gymnasium“
Als „Begründer eines neuen Humanismus im 20. Jahrhundert“ ist Werner Jaeger zu seinem 100. Geburtstag von Uvo Hölscher in Erinnerung gerufen worden. Der klassische Philologe (Berlin, Heidelberg, München) rühmte nicht nur Jaegers „Paideia – Die Formung des griechischen Menschen“ als „monumentales Werk“, sondern beschrieb auch dessen „reiche Lehr- und Forschungstätigkeit“ an der Harvard-Universität „mit bedeutender Wirkung auf die amerikanische Geisteswissenschaft“.
Zahlreiche Schüler des damaligen Progymnasiums haben den in seinem Fach weltberühmten Gelehrten persönlich kennen gelernt: 1959 und 1961 besuchte er „seine Schule“ und sprach zu „seinen Mitschülern“. Ihnen fühlte er sich verbunden als einstiger Schüler der „Rektoratsschule“, der seit 1882 von der Gemeinde Lobberich geführten Vorläuferin des heutigen Gymnasiums.
Jaeger-Buch
Wurzeln In Arbeit ist ein Buch über Werner Jaeger, in dem Aspekte seiner Herkunft, seines Wirkens und seiner Reden in Lobberich aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden.
Autoren Auf Anregung der Lobbericher Pfarrer Dr. Matthias Engelke und Klaus Dorsarbeiten Philologen und Journalisten an diesem „Lesebuch“.
Präsentation Das Buch soll am 15. November vorgestellt werden.
Werner Jaeger wurde am 30. Juli 1888 als einziges Kind des Lithographen Carl Jaeger und seiner Frau Helene geb. Birschel geboren. Er wuchs im Hause Breyeller Straße 40 auf (an der Ecke zur Freiheitstraße). Jaeger besuchte wahrscheinlich die gerade neu gebaute Sassenfelder Volksschule und von 1898 bis 1902 die Rektoratsschule. Er wechseltedann zum Gymnasium Thomaeum nach Kempen, wo er 1907 das Abitur mit herausragendem Ergebnis ablegte.
Außerordentlicher Schüler
Dass Jaeger ein außerordentlicher Schüler war, notierte der aus Lobberich stammende Theologie-Professor Johannes Hessen. Las er doch „als Untertertianer auf eigene Faust die lateinischen und griechischen Schriftsteller der Untersekunda“. Der Protestant Jaeger wusste auch katholische Gebetstexte schneller als seine Klassenkameraden aufzusagen.
Nach dem Studium in Marburg und Berlin machte Jaeger schnell wissenschaftlich Karriere. Er übernahm 1921 den Lehrstuhl seines berühmten Lehrers Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff. 1933 erschien der erste Band seiner berühmten „Paideia“ (die weiteren Bände folgten 1944 und 1947). 1936 emigrierte er mit seiner zweiten (jüdischen) Frau und vier Kindern in die USA. Er wurde 1939 Professor an der Harvard-Universität. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er ab 1950 oft in Deutschland, wo er vor allem mit Kollegen die Gesamtausgabe der Werke des Kirchenvaters Gregor von Nyssa vorantrieb.
Kontakte zu Lobberich hat er vor allem über Prof. Dr. Max Haas und Studienrat Dr. Albert Fenkes gepflegt. Als im September 1958 das neue Progymnasium nach ihm benannt wurde, konnte er nicht kommen. Doch nutzte er Tagungen des Ordens „Pour le Mérite“, um 1959 und 1961 Lobberich zu besuchen. Er hat die Benennung der Schule mit seinem Namen als eine der Auszeichnungen bezeichnet, „die ihm besonders lieb waren“. Jaegers Wunsch, dass aus dem Progymnasium mal ein Gymnasium werde, ist ein Dutzend Jahre später in Erfüllung gegangen. Er hat es nicht mehr erlebt. Jaeger starb am 19. Oktober 1961 in den USA. KOMMENTAR
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