Nettetal: Jeans ja – aber nicht mit Kinderarbeit
VON SARAH WALTER - zuletzt aktualisiert: 18.08.2009Nettetal (RPO). Jeans und Kinderarbeit hängen häufig ganz eng zusammen. Diese für manche bestürzende Erkenntnis vermittelte im Textilmuseum "Die Scheune" eine Diskussion. Barbara Küppers von der Kinderhilfsorganisation "Terre des Hommes" leitete eine Gesprächsrunde mit Besuchern über die "Weltreise einer Jeans".
Dabei spann sich der Gesprächsfaden hauptsächlich um das Thema Kinderarbeit in der Jeansherstellung. Denn ehe eine fertige Jeanshose in den Läden zum Verkauf angeboten wird, hat sie den weiten Weg von fast 60 000 Kilometern hinter sich. Für die Herstellung einer Jeans werden unter anderem Baumwolle aus Indien und Garn aus der Türkei, das wiederum in Polen weiterverarbeitet wird, benötigt. Zusammengenäht wird alles in Indien, die Endbehandlung des Stoffes folgt in Griechenland.
"Um Kosten zu sparen, greifen viele Firmen in der Produktion auf billige Arbeitskräfte zurück", berichtete Barbara Küppers. "Sie bekommen von einer Hose, die im Laden für 100 Euro verkauft wird, am Ende weniger als einen Euro." Nicht selten würden Kinder mit der Produktion der begehrten Hosen ausgebeutet. Einfache Arbeitsschritte in der Textilindustrie, wie das Abschneiden von Fäden oder das Falten der fertigen Kleidungsstücke übernähmen meist Kinder.
Sie erhalten einen geringen Lohn, vor allem aber, darauf wies Barbara Küppers hin, nimmt ihnen die Arbeit die Zeit für schulische Bildung. Der Staub in den Fabriken oder die Pestizide auf dem Baumwollfeld könnten zu schweren gesundheitlichen Schädigungen führen und die Lebenserwartung verringern.
Auf die Frage, warum so viele Kinder trotz gesetzlicher Verbote dennoch unter solchen Bedingungen arbeiten müssten, sagte die Mitarbeiterin der Kinderhilfsorganisation: "Aufgrund von Traditionen glauben viele Inder, dass sie an ihrer Situation nichts ändern dürfen und sich in ihr Schicksal fügen müssen. Die Kinder sind meist sogar stolz darauf, dass sie arbeiten gehen und die stark verarmten Familien unterstützen können." Oft sei Korruption im Spiel: Die zuständigen Ordnungsbehörden sähen weg und würden dafür sogar bezahlt.
Jeder kann etwas unternehmen. Verbraucher finden spezielle Siegel auf Jeanshosen. Auch die gezielte Nachfrage in Läden und bei Firmen könne Wirkung zeigen. "Terre des Hommes" investiert derzeit in Integrationsmaßnahmen und Abendschulen in indischen Städten, wie Tirupur.
Außerdem arbeitet die Organisation mit Firmen wie C&A zusammen. Sie sorgt für Aufklärung unter Bewohnern indischer Slums. "Wenn man dort erzählt, dass Kinder in die Schule gehen müssen, wird man oft ausgelacht", berichtete sie. Erste Erfolge seien aber sichtbar. So sollen ab 2012 alle indischen Kinder bis zum Alter von 14 Jahren eine schulische Grundausbildung erhalten.
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