Nettetal: Jugendamt: Kein finanzielles Risiko
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 29.12.2009Nettetal (RPO). Bürgermeister Christian Wagner sieht keine finanziellen Risiken für ein eigenes Jugendamt. Stadtverordnete hatten mit Blick auf das Haushaltsdefizit Bedenken geäußert. Wagner verweist auf Berechnungen von 2007.
Aus finanziellen Gründen wird die Einrichtung eines eigenen Jugendamtes der Stadt Nettetal nicht scheitern. Davon ist Bürgermeister Christian Wagner fest überzeugt. Er könne nachvollziehen, dass einige Ratsmitglieder angesichts der enormen finanziellen Probleme, vor denen die Stadt jetzt stehe, die Frage der Finanzierbarkeit noch einmal ansprächen, er-klärte Wagner im Gespräch mit der RP. Allerdings habe die Verwaltung schon vor fast genau zwei Jahren in einer umfangreichen Vorlage auch die finanziellen Auswirkungen dokumentiert.
Seit mehreren Jahren diskutieren Rat und Verwaltung in Nettetal die Gründung eines eigenen Jugendamtes. Die Befürworter, deren treibende Kraft Christian Wagner ist, wollen die Nähe und die unmittelbareren Steuerungsmöglichkeiten nutzen. Das Kreisjugendamt leiste sehr gute Arbeit, beteuern sie, aber Nettetal sei eben näher dran. Bisher tragen Nettetal, Tönisvorst, Brüggen, Schwalmtal, Niederkrüchten und Grefrath das Kreisjugendamt. Die Kreisstadt Viersen verfügt traditionell über ein eigenes Jugendamt. Willich und Kempen scherten vor Jahren aus – und bereuen es angeblich nicht.
Finanzen
Deckungslücke Im Haushaltsentwurf 2010 von Kämmerer Norbert Müller klafft eine Deckungslücke in Höhe von 11,5 Mio. – die Finanznot war noch nie so groß.
Kostensteigerung Seit Jahren steigen die Ausgaben für die Jugendhilfe. Sie wird mehr und mehr zum kostspieligen Reparaturbetrieb einer Erziehungsfunktion, die in Familien aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr wahrgenommen wird.
Gerade auch die Kosten haben in Nettetal die Diskussion über ein eigenes Jugendamt in Gang gesetzt. Die am Jugendamt des Kreises beteiligten Städte und Gemeinden überweisen nach einem bestimmten Schlüssel (Nettetal zahlt etwa 31 bis 32 Prozent) Geld an den Kreis – die so genannte Jugendamts-Umlage. Vor zehn Jahren überwies die Stadt rund 4,3 Mio. Euro an die Kreisverwaltung. Für das Jahr 2010 wird die Stadt rund 7,5 Mio. Euro zahlen müssen.
Die Stadt Nettetal wird etwa 21 Mitarbeiter für ein Jugendamt einstellen müssen – und deren Personalkosten tragen. Hinzu kommen Sach- und IT-Ausgaben, weitere Verwaltungskosten und Miete (von einem Anbau am Rathaus ist derzeit keine Rede). Den Löwenanteil des Kostenblocks machen die Leistungen des Jugendamtes aus. Das sind hauptsächlich Ausgaben für erzieherische Hilfen (bis hin zur Heimunterbringung), Kindertagesstätten/Tagespflege, Jugendheime, Unterhaltsvorschuss und Leistungen wie Jugendschutz, Jugendberufshilfe oder auch Jugendwerkstatt.
Modellhaft errechnete die Stadtverwaltung seinerzeit einen Kostenvergleich. "Entscheidend ist im Ergebnis, dass Nettetal durch ein eigenes Jugendamt strukturell keine Mehrkosten entstehen, sondern tendenziell eine Entlastung erwarten darf", erklärt Christian Wagner. In der Vorlage für den Rat hieß es daher bereits im Jahr 2007: "Entscheidend für die Frage der Übernahme der Trägerschaft der öffentlichen Jugendhilfe bleiben damit die inhaltlichen Aspekte."
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