Nettetal: Jugendamt Nettetal: Ende der Solidarität
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 15.11.2010Nettetal (RPO). Die Bildung eines eigenen Jugendamtes in Nettetal "ist finanziell ein Wagnis", meint Thomas Paschmanns. "Aber wenn Nettetal aus der Solidargemeinschaft der Gemeinden im Jugendamtsbereich ausschert, dann habe ich das zu akzeptieren. Jeder hat seine eigenen Konsequenzen daraus selbst zu tragen", sagt er.
Der Schwalmtaler ist Vorsitzender im Kreis-Jugendhilfeausschuss und bei der CDU stellvertretender Fraktionsvorsitzender in seiner Heimatgemeinde. Die Stadt Nettetal steuert auf ein eigenes Jugendamt zu. Die Entscheidung trifft am 16. Dezember der Stadtrat. Mit großer Aufmerksamkeit wird beim Kreis und bei den fünf Städten und Gemeinden, die dem Kreisjugendamt angehören, die Debatte in der Stadt verfolgt.
"Sollte die Stadt die Entscheidung für das eigenes Jugendamt fällen, beneide ich Nettetal nicht um diese Herausforderung", erklärt Paschmanns. Er sei fest davon überzeugt, dass eine größere Organisationseinheit mehr Vorteile liefere. Natürlich gebe es auch Risiken bei einem Jugendamt mit größerem Zuschnitt, das bringe jeder größere Apparat, ob in der öffentlichen Verwaltung oder auch in Wirtschaftsunternehmen, mit sich.
"Aber ein größeres Jugendamt hat andere Resourcen und eine größere Bandbreite, um alle Aufgabengebiete abzudecken." In einer kleineren Einheit müssten Mitarbeiter mehrere Aufgabengebiete erfüllen und könnten dadurch nicht überall Spezialisten sein. "Ich weiß nicht, ob das auf Dauer gut ist", meint Paschmanns. Im übrigen verhindere eine größere Nähe nicht, dass sich neue, mehr und schwierigere Probleme ergäben. "Darauf hat jedes Jugendamt nur ganz bedingt Einfluss, und wenn es noch so gut ist." Entscheidend sei es, die Vernetzung mit allen Akteuren ständig zu verbessern, intensive Präventionsarbeit zu leisten und sowohl stationäre als auch mobile Jugendarbeit miteinander zu verknüpfen.
Paschmanns macht kein Hehl daraus, dass er sich Gedanken über die Zukunft des verbleibenden Jugendamtsbezirks macht. Nettetal macht etwa ein Drittel des Kreisjugendamtes aus. Erwägungen, Tönisvorst und Grefrath zusammenzufassen sowie ein Westkreis-Jugendamt für Schwalmtal-Brüggen und Niederkrüchten zu bilden, können aus rechtlichen Gründen nicht weiterverfolgt werden.
"Natürlich haben wir die Befürchtung, dass es für die kleineren Gemeinden einen Qualitätsverlust geben wird. Wir werden uns wohl damit abfinden müssen, dass das Jugendamt Nettetal das Ende der Solidarität sein wird. Das ist sehr bedauerlich, aber nicht zu ändern."
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