Nettetal: Kammerjäger im Rathaus
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 29.10.2009Nettetal (RPO). Zehn Jahre hausten Silberfische im Archiv der Verwaltung. Sie waren in alten Akten ins neue Gebäude eingeschleppt worden. Weil sich die Insekten übers ganze Haus verteilten, rückte nun der Kammerjäger an.
Nur noch die Papierfallen erinnern seit Anfang der Woche an die ungebetenen Kellerbewohner des Nettetaler Rathauses. Ob sie alle raus sind, wird sich in sechs bis acht Wochen zeigen. Dann behandeln die Schädlingsbekämpfer noch mal nach – reine Routine. Die Zeit der Silberfische im Rathaus am Lobbericher Doerkesplatz sollte dann endgültig vorbei sein.
Über die Akten in die Büros
Silberfische mögen's feucht, dunkel und warm. Im Archiv des Rathauses fanden sie offenbar all dies vor und dazu noch jede Menge Papier zum benagen. Das Problem: Sie blieben nicht im Keller, sondern breiteten sich nach und nach übers ganze Haus aus. Denn jedesmal, wenn Rathausmitarbeiter eine Akte anforderten, war die Chance groß, dass darin auch einige der silbrigglänzenden Insekten zu Tage gefördert wurden. "Wir haben bereits vor einigen Jahren das Archiv und einige Büros säubern lassen", so Stadtsprecher Christoph Kamps. Er legt Wert darauf, dass das Rathaus nicht von Schädlingen befallen gewesen sei und auch kein Hygieneproblem gehabt habe. "Silberfische sind eklig, aber nicht gefährlich", so Kamps. "Deshalb haben wir auch nicht von vornherein die große Keule rausgeholt."
Silberfischchen
Insekt Die Tierchen sind flink, lichtscheu und flügellos. Ein extremer Befall in Wohnungen kann auf Schimmel hindeuten.
Archiv Der Lebensraum der Silberfische im Rathaus war das Aktenarchiv im Rathaus. Dieses umfasst insgesamt 3711 Meter. 2367 Meter Akten befinden sich in Regalen, 1344 gehängt. In dem Archiv finden sich wegen der Aufbewahrungspflicht auch sehr alte Akten.
Weil alle punktuellen Reinigungsversuche langfristig nichts brachten und sich immer wieder Rathausmitarbeiter über Insekten in ihren Büros beschwerten, entschloss sich die Stadt zur ersten großen Silberfischbekämpfungsaktion seit Bestehen des neuen Rathauses. 2500 Euro kostete sie. Die Experten der Kempener Firma Schürmann SPS rückten an. Vier Mitarbeiter sprühten zwei Stunden lang im gesamten Gebäude die Böden ein. Am Tag darauf lüfteten fünf Rathausmitarbeiter das Gebäude und hatten ein Auge darauf, das niemand rein kam. Der Bürgerservice blieb geschlossen. Jetzt läuft der Rathausbetrieb wieder wie gewohnt und wahrscheinlich auch schon silberfischfrei.
Ein importiertes Problem
Dass sich in einem relativ neuen Gebäude wie dem Rathaus – es wurde vor zehn Jahren in Betrieb genommen – so viele Insekten tummelten, hat eine einfache Erklärung: Die Silberfische sind ein importiertes Problem. Das Rathaus mag neu sein, die Akten sind es nicht. Sie stammen aus den zehn Gebäuden, auf die sich die Dienststellen vor dem Bau des zentralen Rathauses verteilten. Dort lagerten sie in feuchten Kellern alter Gebäude, moderten und boten Generationen von Silberfischen einen idealen Nährboden – auch nach deren Umzug. "Wir hoffen, dass jetzt alle weg sind", so Kamps. Damit sie nicht wiederkommen, würden jetzt Akten so weit wie möglich aussortiert oder lockerer gehängt.
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