Nettetal: Katzenflut im Tierheim
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 27.12.2010Nettetal (RPO). 2010 war auch für das Matthias-Neelen-Tierheim in Lobberich ein Rekordjahr: 520 Katzen aus dem Kreis Viersen wurden dort abgegeben. Eine traurige Bilanz, die hauptsächlich durch unkastrierte Katzen und ihren unerwünschten Nachwuchs verursacht wurde.
Kreis Viersen "Das A und O ist die Kastration – egal ob Freigänger oder Wohnungskatze. Wenn kastriert würde, hätten wir im Tierheim nicht diese Mengen von Katzen", bringt es Angelika Stopka, Mitarbeiterin im Lobbericher Matthias-Neelen-Tierheim, auf den Punkt. 90 Katzen sind es momentan, die nicht nur das eigentliche Katzenhaus bevölkern. Denn das ist mit seinem 100 Quadratmeter großen Außengelände, dem 20 Quadratmeter großen Innenraum sowie den drei jeweils drei Quadratmeter großen separaten Katzenzimmern und der Quarantänestation, die Platz für acht Katzen bietet, maximal für 60 Katzen ausgelegt.
Tragende Tiere abgegeben
Die restlichen Katzen sind auf Hundezwinger verteilt. Eine Notlösung, aber es geht nicht anders. "Derzeit sind es 30 Katzen zuviel, aber im Vergleich zum Sommer ist es verhältnismäßig wenig. In diesem Jahr hatten wir im Tierheim bis zu 150 Katzen", berichtet Stopka. Von artgerechter Unterbringung konnte nicht mehr die Rede sein. Zu viele Katzen in den verschiedenen Räumlichkeiten waren das Fazit. Die Folge: Stress bei den Katzen und eine schnellere Übertragung von Krankheitserregern. Dutzende von hochschwangeren Muttertieren und Katzenmüttern mit Jungtieren wurden unter anderem abgegeben. "Erst lebt eine Katze im Haus, die Kastration ist dem Besitzer lästig, zu teuer oder er träumt davon, einmal Katzenbabys sein eigen nennen zu können. Egal, wie die Gründe aussehen, eine Katze oder einen Kater nicht kastrieren zu lassen, das Ende vom Lied ist die Abgabe im Tierheim", weiß Tierheimleiter Ralf Erdmann aus jahrelanger Erfahrung.
Den Katzen helfen
Von drei Monate alten Katzenkindern bis hin zu dem momentan ältesten Katzengast namens Max, 15 Jahre, leben derzeit 90 Katzen im Tierheim. Adresse: Flothend 34, Nettetal-Lobberich, Rufnummer 02153 3785. Öffnungszeiten: Dienstags, mittwochs und donnerstags von 16 bis 18.30 Uhr, freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Montags, sonn- und feiertags ist geschlossen. Internet: www.tierheim-nettetal.de. Spenden: Sparkasse Krefeld, BLZ 320 500 00, Konto-Nummer 110 016 09. Auch Futterspenden werden gerne entgegen genommen.
Die Zahl der Katzen, die im Tierheim landen, steigt von Jahr zu Jahr. Waren es im Jahr 2005 noch 440 aufgenommene Katzen, so liegt die Zahl in diesem Jahr bei 520. Da sind in fünf Jahren 80 Katzen mehr. "Wobei es in diesem Jahr über 700 geworden wären, hätten wir alle genommen und keinen Aufnahmestopp verhängen müssen. Es ging nicht mehr", berichtet Erdmann. Eine Konsequenz aus der steigenden Zahl der abgegebenen Katzen ist der Neubau eines 64 Quadratmeter großen Katzenhauses. Der Rohbau mit Dach steht bereits auf dem Gelände des Tierheimes. Im Frühjahr/Sommer soll es fertig sein. Doch als eine wirkliche Alternative sehen es Tierheimleiter und Mitarbeiter nicht. "Ändert sich nichts in den Köpfen der Menschen, dann wird das Haus in wenigen Jahren auch zu klein sein", ist sich Stopka sicher. Die einzige Lösung, die die Katzenschwemme und deren Folgen eindämmen kann ist die Kastration. Wird sie nicht konsequenter durchgeführt, dann befürchtet nicht nur das Matthias-Neelen-Tierheim Zustände wie sie jetzt schon in Südländern herrschen.
Mehr Bilder von den Katzen im Lobbericher Matthias-Neelen-Tierheim unter www.rp-online.de/viersen.
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