Nettetal: Kein Kanal, aber Gebühren
VON EBERHARD LANGE - zuletzt aktualisiert: 24.01.2009Nettetal (RPO). Eine Panne unterlief der Stadt Nettetal bei den Bescheiden zur erstmals erhobenen Niederschlagswassergebühr. Deshalb herrscht seit einer Woche Hochbetriebim Rathaus. Erboste Bürger verlangen Auskunft.
Kämmerer Norbert Müller berichtete der Bauernversammlung in Hinsbeck-Schlöp von stündlich mehr als 20 Protest-Anrufen bei den Sachbearbeiterinnen. Auch beim Hinsbecker Ortsvorsteher Heinrich Ophoves steht seit dem vergangenen Wochenende das Telefon nicht still. Fragen zu der für alle neuen Niederschlagswassergebühr stellen viele Bürger. Erbost sind jene, die nicht an den Kanal angeschlossen sind und das trifft besonders für die Außensektionen zu. "Das ist was bei der Verwaltung schiefgelaufen", sagt Heinrich Ophoves. Viele Nettetaler Bauern seien verärgert über die "Niederschlagswassergebühr 2008".
In diesen Tagen flattern allen Nettetaler Grundeigentümern erstmals Bescheide zur Niederschlagswassergebühr ins Haus. Die Stadt erhebt sie rückwirkend für 2008. Im Infoblatt heißt es: "Dies ist keine neue oder zusätzliche Gebühr. Mit der Trennung von der Erhebung der Schmutzwassergebühr muss lediglich der Aufwand für die Beseitigung des Niederschlagswasser über einen anderen Verteilerschlüssel abgerechnet werden."
Abwasserbetrieb
Länge Die Regenwasserkanäle umfassen in Nettetal insgesamt 50 Kilometer. Dazu gibt es Schmutzwasserkanäle 67 Kilometer, Schmutzwasserdruckleitungen 12 Kilometer und Mischwasserkanäle 114 Kilometer.
Sonstiges In der Kommune gibt es außerdem 26 Pumpstationen, 20 Regenrückhaltebecken, 5 Regenklärteiche, 10 Sandfänge, 3 Versickerbecken, 131 Kleinkläranlagen und 314 abflusslose Gruben.
Dieser Umstand führt dazu, dass Anlieger mit großen befestigten Flächen wie Dach, Hofflächen, gepflasterten Zufahrten sehr viel mehr, und Bürger mit durchschnittlichem Frischwasserverbrauch und kleinen Flächen weniger bezahlen. Für einen Haushalt mit vier Personen im Einfamilienhaus sind dies um die 150 Euro zusätzlich.
Die Stadtwerke Nettetal schreiben mit dem ebenfalls in diesen Tagen erstellten Gebührenbescheid für Strom, Gas, Wasser und Abwasser sogar Beträge für die 2008 berechneten Kanalgebühren gut. Ganz anders für die Bewohner in den Hinsbecker Außengebieten Glabbach, Nette, Voursenbeck, Ophoven, aber auch in den Lobbericher Sektionen Dyck und Rennekoven und in Leuth-Busch. Versehentlich wurden auch jenen Grundbesitzern "Niederschlagswassergebühren" berechnet, die nicht an das städtische Kanalnetz angeschlossen sind. Insbesondere landwirtschaftliche Gehöfte mit großen Dachflächen trifft das hart. Manche Bauern berichteten von Bescheiden zwischen 1500 und 3000 Euro.
Diese Gebühren werden laut Abgabenbescheid der Stadt zum 30. Januar 2009 abgebucht. Sofort schriftlich beschweren, Kontoauszüge prüfen und Geld zurück fordern, riet der Hinsbecker Ortsvorsteher den Betroffenen. Kämmerer Müller sagte eine generelle Überprüfung zu.
Offen blieb in der Hinsbecker Bauernversammlung allerdings, warum für die Gebäude ohne Kanalanschluss oder an Anlieger von Druckleitungen die Bescheide verschickt wurden. Die Stadt Nettetal erklärt die fehlerhaften Bescheide mit der fehlerhaften Übernahme von Daten des Abwasserbetriebs (siehe Bericht unten).
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