Nettetal: Keine Zitronen auspressen
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 25.06.2009Nettetal (RPO). Damit das Konjunkturpaket II möglichst schnell bei den Handwerkern ankommt, will die Stadt Nettetal ihre bisherige Vergabepraxis ändern. Die Handwerker dagegen sind skeptisch.
Was Paul Neukirchen, der Hautgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Krefeld-Viersen-Neuss "sehr mutig angepackt und handwerkerfreundlich" nannte, stieß bei den Handwerkern selbst überwiegend auf Ablehnung. Gemeint ist eine freihändige Vergabe von Aufträgen bis 100 000 Euro aus dem Konjunkturpaket II, bei der auch Nachverhandlungen über die Angebote stattfinden können. "Sobald nachverhandelt wird, läuft das nie einen fairen Weg, dann wird gekungelt", meinte einer – und erhielt viel Beifall.
Es geht um 4 Millionen Euro aus Berlin, die die Stadt für Bauleistungen an Schulen, Sportstätten und Kindergärten ausgeben kann. 18 Projekte sind ins Auge gefasst, erläuterte Bürgermeister Christian Wagner. Die größten darunter sind der neue Kindergarten der Bongartzstiftung in Lobberich und die Doppelturnhalle in Kaldenkirchen. Die Aufträge sollen in kleine Losgrößen aufgeteilt werden, damit auch kleinere Betriebe partizipieren können. Transparenz soll durch die Veröffentlichung der Auftragsvergaben ab 15 000 Euro geschaffen werden. Und, betonte Wagner, "wir wollen den Freiraum nutzen, der uns durch eine deutliche Veränderung gegenüber den bisherigen Vergabevorschriften gegeben ist".
Konjunktur-Kredite
Sparkasse Krefeld Noch bis Ende August läuft ein regionales Konjunkturprogramm, das 68 Millionen Euro für Modernisieren und Investieren bereitstellt.
Volksbank Brüggen-Nettetal Überlegt wird, Handwerksbetrieben günstige Vorfinanzierungen bis 100 000 Euro zu ermöglichen.
KfW Kredite der dem Bund gehörenden Bank sind günstig, doch für schnelle Finanzierungen ungeeignet und mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden.
Nachverhandlungen
Nicht nur Robert Hellmann, Sprecher der Handwerker in Lobberich, befürchtete, dass die Ankündigung von Nachverhandlungen bei der freihändigen Vergabe zunächst einmal zu höheren Angebotspreisen führen werde. Man habe Ausschreibungen bisher als sportlichen Wettkampf gesehen, das sei jetzt vorbei. Die skeptische Stimmung blieb, auch wenn der Handwerksfunktionär Neukirchen versuchte, Verbesserungen gegenüber dem bisher gültigen Verfahren aufzuzeigen: "Es ist mehr, als es bisher gab. Es ist ein praktikables System, das einfach und besser ist."
Wagner war etwas verwundert. Die Verwaltung wurde bisher immer wieder dafür gescholten, ihre Aufträge so voluminös auszuschreiben, dass kleine Firmen schon den damit verbundenen Papierkram kaum leisten konnten. Er wollte "Nachverhandlungen" nicht auf den Preis beschränkt wissen, sondern auch auf mögliche Unstimmigkeiten in den Angeboten. Was die Preise betrifft, versicherte er: "Wir wollen keine Zitronen auspressen." Das Geld solle nach Möglichkeit in Nettetal bleiben, denn "wenn es in Nettetal genügend fachkundige Betriebe gibt, mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben, dann brauchen wir nicht über die Stadtgrenzen hinaus zu gehen". Das werde nur der Fall sein, wenn es für spezielle Arbeiten hier nur eine Firma gebe.
Die Konjunktur soll nicht nur mit 4 Millionen Euro angekurbelt werden. Wie Wagner sagte, geben der Nettebetrieb, die Stadtwerke und das Krankenhaus weitere 16 Millionen Euro in diesem und im nächsten Jahr aus.
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