Nettetal: Königsblaue Hoffnung
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 19.05.2007Nettetal (RPO). Herbert Deininger ist Schalke-Fan. Der 73-Jährige war bei der letzten Deutschen Fußball-Meisterschaft der „Knappen“ in Hannover im Stadion dabei. Das war vor 49 Jahren. Er hofft, dass die Serie heute zu Ende geht.
Ein Männer-Zimmer gehört in jeden Haushalt. Es gibt den Werkraum im Keller. Die Eisenbahn auf dem Dachboden. Oder das Fußball-Zimmer. So wie bei Herbert Deininger. „Das ist der königsblaue Salon“, sagt der 73-Jährige. Dann öffnet er die Tür zu seinem Reich. Ein Reich, voller Erinnerungen aus mehr als 100 Jahren FC Schalke 04. Das ist der Lieblingsverein von Herbert Deininger.
An der Wand hängen Fotos von vor zehn Jahren. „Die Eurofighter“, sagt der Hinsbecker und erinnert an den Uefa-Cup-Sieg 1997. Es war der größte Erfolg der Schalker Vereinsgeschichte. Weitere, vergilbte Fotografien in den roten Ordnern im Schrank zeigen den legendären Schalker Kreisel um Ernst Kuzorra und Fritz Szepan. Ernst Poertgen, dreifacher Torschütze im Endspiel zur Deutschen Meisterschaft 1935, war ein Bekannter Deiningers. In den Dreißiger und Vierziger Jahren hat der Verein in königsblau Fußball-Deutschland dominiert.
FC Schalke 04
Gegründet 4. Mai 1904.
Deutscher Meister 1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942, 1958.
DFB-Pokalsieger 1937, 1972, 2001, 2002.
Uefa-Cup-Sieger 1997.
Bundesliga-Abstiege 1981, 1983 (in der Relegation gegen Bayer Uerdingen), 1988.
Heute stirbt die Hoffnung zuletzt
Heute fährt Herbert Deininger wieder ins Stadion nach Gelsenkirchen. Das macht er seit mehr als drei Jahrzehnten zu jedem Heimspiel des FC Schalke. Bei zwei Punkten Rückstand auf den VfB Stuttgart ist der Meistertraum am letzten Spieltag jedoch in die Ferne gerückt. „Es wäre mein sehnlichster Wunsch, Schalke noch einmal als Deutschen Meister zu feiern“, sagt der pensionierte Lehrer. „Aber die Konstellation sieht so aus, als dass sich Stuttgart das nicht mehr nehmen lässt. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.“ So wie 2001 scheint Schalke den Titel auf der Zielgeraden zu verspielen. „Bei der Vier-Minuten-Meisterschaft vergoss ich erst Tränen der Freude, anschließend der Trauer.“
Dabei war Deininger in seiner Jugend eher Freudentränen gewohnt. An den Tag, als er Schalke-Fan geworden ist, kann er sich noch genau erinnern. „Es war der 23. Februar 1947. Ich wartete vor dem Radio auf die Ergebnisse meines Lieblings-Klubs Union Krefeld“, sagt der gebürtige Hülser. „Als es hieß, dass ein Verein namens Schalke 04 die Spielvereinigung Herten 20:0 geschlagen hatte, wollte ich mehr über diese Mannschaft wissen.“ Mit dem Fahrrad, dem Bus oder der Straßenbahn fuhr er dem Team hinterher. „Ich stieg als Jugendlicher am Neujahrstag in Düsseldorf sogar in den Mannschaftsbus, um Unterschriften zu ergattern.“
Eines seiner größten Erlebnisse war das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1958. „Das war in Hannover gegen den Hamburger SV“, sagt Deininger. Er schaut auf die Eintrittskarte von damals. Stehplatz Süd, Eintritt 1,80 DM. „Bernie Kloth und Manfred Kreuz schossen die Tore“, sagt er und sieht die Treffer noch einmal genau vor sich. Es sollte die bislang letzte Meisterschaft der „Knappen“ werden. Seitdem wartet Deiniger 49 Jahre auf den nationalen Titel. In der Hoffnung, neue Bilder von Titelgewinnen in die Ordner zu heften.
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