Nettetal: Krippe mit Geschichte(n)
VON EBERHARD LANGE - zuletzt aktualisiert: 13.12.2011Nettetal (RP). Am Wochenende haben die Hinsbecker den Aufbau ihrer 90 Jahre alten Krippe beendet. Bei dieser Gelegenheit erzählte Rainer Klingen viel Wissenswertes über das Schmuckstück in der Pfarre St. Peter.
Seit Samstag ist die Hinsbecker Krippe wieder im Erdgeschoss des Kirchturms zu besichtigen. Sie wird in diesem Jahr 90 Jahre alt – und diesen runden Geburtstag nahm Rainer Klingen vom Krippenbau-Team zum Anlass, an die Geschichte dieser Krippe zu erinnern. Die Hinsbecker verzichteten, im Gegensatz zu vielen Nachbar-Pfarreien, darauf, die Krippenfiguren in den Wohlstandsjahren zu erneuern: "Unsere Krippe bedeutet Nachhaltigkeit und Heimatverbundenheit: Das Moos kommt aus Hinsbecker Wäldern und die Tannen aus Lobberich. Auch hier legen wir Wert auf Nachhaltigkeit. Sie stammen vom Lobbericher Adventmarkt und wurden von uns in Hinsbeck übernommen."
Schwer geschuftet
Verschiedene Standorte
Die Krippe hatte verschiedene Standorte: Ursprünglich wurde sie im Westflügel, wo jetzt de Orgel steht, aufgebaut. Später vor der Sakristei und auch mal in der "Josefs Hött". Seit 1999 steht sie im Turm. Bis 2003 baute der jeweilige Küster die Krippe auf. Nachdem jedoch Küsterstellen im Bistum Aachen dem Rotstift zum Opfer fielen, übernimmt seit 2004 ein Team Freiwilliger den Aufbau.
Zwei Samstage lang schuftete in diesem Jahr das Team mit Rainer und Jonas Klingen, Martina Kall, Margarete "Mausi" von Rauchhaupt sowie Johannes Stams und Willi Küppers. Freiwillig halfen zudem Aktive vom Kirchenchor, den Pfadfinder und der Bruderschaft mit. Am ersten Wochenende wurde der stabile Unterbauch aufgebaut– und am vergangenen Samstag wurden schließlich die Figuren herbeigeschafft und die Landschaft von Betlehem aufgebaut. Der Krippenstall mit Ochs und Esel ist nur ein Teil der biblischen Geschichte. Die Hinsbecker haben auch die Herberge und einige Häuser aufgebaut.
Ursprünglich gehörten 41 Figuren ohne Füße zur Krippe. Hirten, Maria und Josef, Schafe, Ochs und Esel wurden im Moos bis 1954 "fußlos" befestigt. Erst Kaplan Johannes Schaath (später Pfarrer von Leuth) fertigte mit den Malermeistern Peter und Paul Glasmachers 1954 Füße für die Figuren. Zurzeit gehören 31 Figuren und 24 Tiere zur Hinsbecker Krippe. Zwei Ziehbrunnen lockern die Landschaft auf.
Die Krippe schenkte der wohlhabende Bauer Josef Thodam (Oirlich) 1921 der Pfarrgemeinde St. Peter. Der Überlieferung nach hat er mit Gott einen Handel abgeschlossen: Nach einem schweren Schlaganfall hätten die Ärzte ihn bereits aufgegeben. Bauer Thodam soll in Anwesenheit des Pfarrers versprochen haben, wenn er dies überlebe, werde er der Pfarre eine Krippe Spenden. Just in dem Moment habe ein Pfau vom Dach gerufen "Warum?" – und der Bauer konnte aufstehen. In Hinsbeck verbreitete sich rasch die Geschichte vom "Wunder von Oirlich".
Bauer Josef Thodam hielt sein versprechen und beauftragte den akademischen Bildhauer Gerd Brüx aus Kleve mit dem Entwurf der Krippe. Ein Hirte, jener der dem Jesuskind am nächsten steht, soll sogar das Gesicht des Stifters haben. Die Krippe wurde in einem naturalistischen Gemälde abgebildet, die noch immer die Gute Stube des Bauernhofs ziert.
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