Nettetal: Kurzer Weg zum Ausweis
VON EBERHARD LANGE - zuletzt aktualisiert: 20.08.2010Nettetal (RPO). Mit 86 Jahren hat die in Reuver lebende Deutsche Margarete Schmitt erstmals einen Personalausweis erhalten. Die Stadt Nettetal ist eine von nur sechs Städten, die diesen Service für Auslandsdeutsche machen darf.
Margarete Schmitt fühlt sich seit wenigen Tagen als echte Europäerin. Die 86-Jährige aus Reuver besitzt erstmals in ihrem Leben einen deutschen Personalausweis und ist damit überglücklich. "Besonders froh bin ich, dass ich nicht zweimal die beschwerliche Reise nach Amsterdam machen musste", sagt sie.
Die Stadt Nettetal hat der Deutschen den Weg erspart, ihren Reisepass im deutschen Generalkonsulat in Amsterdam neu beantragen oder verlängern zu müssen. Einen Personalausweis konnten in Limburg wohnende Deutschen bisher nicht beantragen. "Dabei ist der viel kleiner, handlicher und billiger als ein Reisepass", hat Margarete Schmitt festgestellt. Große Reisen plant sie nicht. "Nur nach Deutschland, zum Einkaufen in Kaldenkirchen, zur Wallfahrt nach Kevelaer und zu Verwandten nach Heidelberg", sagt sie.
Neuer Personalausweis
1. November Der Personalausweis im Scheckkartenformat wird den bisherigen Ausweis ablösen.
Neu Das neue Dokument hat zahlreiche Sicherheitsmerkmale, und bekommt viele neue Funktionen über das Internet.
Information Unter www.personalausweisportal.de wird der neue Ausweis vorgestellt.
Schon 3000 Dokumente
Nettetal stellte schon 3000 Personalausweise, Kinder- und Reisepässe aus. "Den Service gibt es seit 2000", erläutert Olaf Fleddermann vom Bürgerservice. Die Nachfrage war zunächst eher schleppend. Inzwischen hat sich der Service herumgesprochen. Nettetal ist eine von nur sechs Gemeinden in NRW, die den Ausweisservice bieten darf, neben Aachen, Übach-Palenberg, Herzogenrath, Wassenberg und Viersen. Die Nähe zur Grenze hat die Nachfrage natürlich verstärkt. Der Weg für in Nord- und Mittellimburg lebende Deutsche ist kurz.
Für ihren Ausweis müssen die Deutschen zweimal ins Nettetaler Rathaus. Der Ausweis muss persönlich beantragt und persönlich abgeholt werden. "Ganz toll" fand die 86-Jährige, dass man nicht einmal anrufen muss, sondern Im Internet unter www.nettetal.de nachsehen kann, ob der Ausweis da ist. "Das hat mein Enkel am Sonntag gemacht. Der Ausweis war da, also sind wir nach Lobberich gefahren."
An die Grenze hat sie auch ungute Erinnerungen. "Gott sei dank hat sich in den letzten 65 Jahren viel geändert. Unsere Länder sind zusammengewachsen, die Grenze trennt nicht mehr", stellt die alte Dame fest. Geboren wurde sie wurde 1924 in Reuver. Ihr Großvater Hendrik Schouren wanderte vor 140 Jahren von Schaag aus nach Offenbeek bei Reuver aus. Papiere brauchte er damals nicht. Als Kind brauchte auch die Enkelin Margarete Corneth keinen Ausweis, um mit ihren Eltern zu Fuß über den "Weißen Stein" zur Schaager Kirmes oder zu Namenstagen von Großtanten zu gehen. Sie heiratete 1943 den deutschen Sanitätssoldaten Josef Schmitt in Heidelberg.
Doch die Not im Nachkriegsdeutschland veranlasste das Paar (und den zweijährigen Sohn) häufiger, über Bracht nach Reuver ein- und auszureisen. Dort betrieben ihre Eltern eine Kolonialwarenhandlung. Ihr Mann musste unerlaubten Grenzübertritts für zwei Wochen ins Anrather Gefängnis musste, auch sie litt und Repressalien. Das, so sagt, sei glücklicherweise längst vorbei und Geschichte.
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