Nettetal: Laichreife Aale gehen ein
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 15.08.2009Nettetal (RPO). Auch gestern wurden etliche Kilogramm verendeter Aale aus dem Wittsee geholt. Fachleute sollen die Tiere und das Wasser des Sees jetzt untersuchen. Bisher weiß niemand, warum die sonst eher robusten Tiere sterben.
Geschütztes Tier
Population Der Aal, der in Flüssen und Binnenseen lebt, aber in der Sargassosee vor Amerika laicht, gilt als schützenswert.
Initiativen Unter der deutschen Ratspräsidentschaft hat die EU in 2007 ein besonderes Schutzprogramm entwickelt.
Gefahren Stauwehre und andere technischen Anlagen in Flüssen sind besonders große Feinde auf der 5000 km langen Wanderung der Tiere zu ihren Laichplätzen.
Das Aal-Sterben im Wittsee geht weiter. Gestern wurden nach Angaben des Kreises annähernd 50 Kilogramm verendeter Aale aus dem See geholt. Hans Bes- kes vom ASV Seerose, der am See zu Hause ist, zeigte sich gestern sehr besorgt. "Ich fürchte, dass wesentlich mehr Tiere verendet sind. Die Angler wollen jetzt auf den Oberlauf der Nette zwischen Lüthemühle und kleinem Wittsee nach toten Aalen absuchen.
Die Ursachen des massenhaften Sterbens können sich Fachleuten im Moment nicht erklären. Gestern Morgen trafen sich Vertreter des städtischen Ordnungsamtes, der unteren Wasserbehörde des Kreises und des Netteverbandes sowie Hans Beskes am See. Der Kreis erklärte anschließend, dass wieder eine Wasserprobe entnommen wurde, die erneut im Labor des Niersverbandes untersucht werden soll. Vor einer Woche waren keine schädlichen Substanzen gemessen worden, der Sauerstoffgehalt lag über 150 Prozent. "Das Wasser hat eine super Qualität", bestätigt auch Beskes aus Sicht der Angler.
Untersuchung angeordnet
Geprüft wurde gestern auch, ob möglicherweise Umweltfrevel das Aal-Sterben ausgelöst haben könnte. "Auch dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Im Augenblick stehen wir vor einem Rätsel", erklärte ein Sprecher der Kreisverwaltung. Man will jetzt verendete Tiere untersuchen lassen, um Aufschlüsse zur Todesursache zu bekommen. Dazu müssen möglichst gerade erst eingegangene Aale gefunden, in Eis gepackt und sofort in die Labors gebracht werden.
Vor sechs Jahren hat es in Deutschland schon einmal ein massenhaftes Aalsterben gegeben. Ursache war 2003 der enorm heiße Sommer. Durch die Sonneneinstrahlung erwärmte sich das Wasser stark. Ist es flach wie im Wittsee, sind das ideale Voraussetzungen für die massenhafte Vermehrung von Bakterien. Nicht auszuschließen ist, dass sie mit weiteren Parasiten im Wasser eine hochgradig infektiöse Brühe bewirken, die die Schleimhäute der Aale angreift und zu inneren Blutungen führt.
Denkbar wäre auch, dass in den tieferen Zonen des Wittsees jetzt der Abbauprozess der kanadischen Wasserpest massiv eingesetzt hat. Die Pflanze hat sich im See und in der Nette enorm ausgebreitet. Stirbt sie in großen Mengen ab, zehrt sie den im Augenblick noch festgestellten Sauerstoffgehalt im Wasser relativ schnell auf – und zerstört die Lebensgrundlagen beispielsweise der Aale, die am Seegrund im Schlamm leben.
Hans Beskes mag jedenfalls fast nicht mehr hinsehen. "Ausgerechnet die großen, laichreifen Aale, die bald in Richtung See wandern, hat es erwischt. Aale sind viel weniger empfindlich als beispielsweise Brassen und andere Fische." FRAGE DES TAGES
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