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Nettetal: Literarische Leidenschaften

VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 10.09.2010

Nettetal (RPO). Hans. K. Matussek lebt für die Welt der Bücher. Thomas Mann und sein Werk liebt er besonders.

Seine Begeisterung für das gedruckte Wort hat er an seinen Sohn weitergegeben. Der glaubt an die Zukunft.
Für ihre historische Fassade ist die Buchhandlung bereits zu einer der schönsten im Land gekürt worden.   Foto: RPO
Für ihre historische Fassade ist die Buchhandlung bereits zu einer der schönsten im Land gekürt worden. Foto: RPO

Ein Buch aufzuschlagen bedeutet für Hans K. Matussek, in eine andere Welt einzutauchen, in der Figuren aus einer anderen Zeit lebendig werden. Bücher sind sein Leben und seine Leidenschaft. Die literarische Liebe des Lobbericher Geschäftsmannes gehört Thomas Mann. Der Nobelpreisträger ist in der antiquarischen Bibliothek im Hinterzimmer der Buchhandlung an der Marktstraße allgegenwärtig. Bedächtig blickt er von Ölporträts an der Wand auf den Besucher herab, Seine Werke stehen in alten Bänden mit liebevoll verzierten Rücken in den hohen Holzregalen.

Sonderausgaben verlegt

Info

Die Nettetal-Serie

Weißt du noch? Anlässlich des 40. Geburtstags der Stadt Nettetal spürt die Rheinische Post in einer Artikelserie den Akteuren dieses Neubeginns nach. Wir stellen Inhaber geführte Geschäfte vor, die es schon 1970 gab und die 2010 noch immer das Geschäftsleben in Nettetal prägen.

"Er ist für mich der bedeutenste Autor in der Nachfolge Goethes. Es fasziniert mich, was er schreibt und wie er seine Figuren beseelt", berichtet Hans K. Matussek. Der Buchhändler beschäftigt sich seit 50 Jahren mit Thomas Mann und hat selbst Sonderausgaben des Schriftstellers verlegt. Seine Leidenschaft für die Welt der Literatur hat er an seinen Sohn Fabian weiter gegeben. Er führt gemeinsam mit seiner Frau heute das Werk fort, das sein Vater gestern begonnen hat. Der war Ende der 50er Jahre als Filialleiter eines großen Verlages nach Lobberich gekommen. Als die Firma den Laden schloss, machte er sich 1964 mit der ersten Buchhandlung am Ort selbstständig.

Belesen: Hans K. Matussek mit seinem Sohn Fabian im Antiquariat der Buchhandlung. Foto: RPO

"Bis dahin waren Bücher mehr ein Nebengeschäft der Schreibwarenhandlungen. Es hat mich gereizt, nicht nur Bücher zu verkaufen, sondern eine kulturelle Aufgabe wahrzunehmen und Leute zu finden, die sich für Literatur interessieren", erzählt Hans Matussek. Bis heute lädt er einmal im Monat zum Leseabend ein, an dem er ein Buch bespricht und mit den kundigen Besuchern diskutiert. "Ich möchte andere von der Welt, die mich gefangen hält, begeistern." Da der Ort eigentlich für eine Buchhandlung zu klein sei, habe er sich immer etwas einfallen lassen müssen, sagt Hans Matussek.

So verkauft er neben Bestsellern und Neuerscheinungen auch antiquarische Bücher an Sammler und hat gemeinsam mit seinem Sohn einen kleinen Verlag gegründet, der unter anderem die Niederrhein-Krimis herausgibt. Seine Frau, die er auf der Buchhändlerschule in Köln kennen gelernt hat. wollte 1975 auch die kleinen Leseratten füttern und gründete den ersten Kinderbuchladen am Niederrhein. "Damals gaben die ersten Verlage Kinderreihen wie die Drei Fragezeichen oder die Fünf Freunde heraus. Vorher bestand das Anggebot überwiegend aus sehr angestaubten Mädchengeschichten."

Inzwischen erobert immer mehr die Fantasy-Literatur den Markt. "Das hat extrem zugenommen, auch bei den Erwachsenen. So etwas wie Konsalik oder Simmel ist dagegen verschwunden", sagt Fabian Matussek. Für ihn ist es jeden Tag eine Herausforderung, Buchbegeisterte zu finden. "Jeder geht regelmäßig zum Bäcker, aber nicht jeder liest." Dennoch glaubt er an die Zukunft der Literatur.

Immer wieder Rekorde

"Wir haben in Deutschland mehr als 100 000 Neuerscheinungen im Jahr, Bestseller brechen immer wieder Rekorde. Das E-Book wird sich verbreiten, doch die meisten werden weiter ihr Buch und die Zeitung in Papierform lesen." Darüber hinaus gebe es heute einen viel größeren Kundenkreis. "Als die Buddenbrooks 1901 erschienen, kostete ein Exemplar 14 Goldmark, umgerechnet 160 Euro. Das konnte sich kaum einer leisten", sagt Hans K. Matussek und rückt sich die Brille zurecht. Heute steht die Welt der Literatur jedem offen. FRAGE DES TAGES

Quelle: RP

 
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