Nettetal: Longlife stoppt Produktion
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 07.04.2009Nettetal (RPO). 75 Mitarbeiter verlieren bis Mitte des Jahres ihre Jobs. Der Lobbericher Teppichboden-Hersteller ist Opfer der weltweiten Finanzwirtschaftskrise. Alle Umstrukturierungspläne sind bereits aufgegeben worden.
Das traditionsreiche Textilunternehmen "longlife" in Lobberich stoppt im Sommer die Produktion. Damit verliert Nettetal seinen letzten produzierenden Textilbetrieb. Der Hersteller von Teppichböden der Premiumklasse beschäftigt zurzeit 75 Mitarbeiter, denen der Entschluss der Geschäftsführung in einer kürzlichen Betriebsversammlung mitgeteilt worden war.
Longlife sieht sich selbst als Opfer der Finanz- und der daraus resultierenden Wirtschaftskrise. Das Unternehmen mit Standorten an der Niedieck- und an der Johannes-Cleven-Straße produziert im wesentlichen auf konkrete Objekte bezogene Teppichböden. Internationale Hauptabnehmer sind beispielsweise Banken, Versicherungen oder auch namhafte Dienstleister wie Flughafengesellschaften.
Longlife-Teppichboden
Erfolgsgrundlage Die Basis legte Berndt Cleven 1952. Er entwickelte als erster Hersteller in Europa textile Bodenbeläge aus synthetischen Fasern, die in Bahnen verlegt werden konnten.
Entwicklung longlife wurde so Spezialist für textile Bodenbelagsysteme für anspruchsvolle Privat- und Gewerbeobjekte.
Umsatzeinbrüche
"Wir mussten innerhalb kürzester Zeit Umsatzeinbrüche im zweistelligen Bereich hinnehmen. Die rückläufige oder zumindest verhaltene Investitionsbereitschaft in der Baubranche und im Objektbereich haben die Nachfrage dramatisch einbrechen lassen. Da wir nicht erkennen können, wann es wieder eine für uns akzeptable Nachfrage gibt und wir andererseits einen längeren Zeitraum nicht überbrücken können, mussten wir den für uns und die Mitarbeiter schmerzlichen Entschluss fassen, den Betrieb stillzulegen", erklärte Harald Cleven.
Er führt das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Heinz-Jürgen in dritter Generation. Im vergangenen Jahr gab es noch konkrete Pläne zur Umstrukturierung und Modernisierung. Longlife wollte den zweiten Standort an der Johannes-Cleven-Straße aufgeben. Das Unternehmen erwarb ein Grundstück im einstigen Niedieckareal mit dem Ziel, schrittweise ein neues Werk aufzubauen. Auch das Werk Niedieckstraße sollte in absehbarer Zeit im neuen Standort untergebracht werden. "Diese Pläne sind obsolet", unterstrich Harald Cleven. Es sei betriebswirtschaftlich nicht mehr möglich, ein millionenschweres Investitionsvolumen zu stemmen, "zumal die Wettbewerbssituation sich in der Branche und generell in Deutschland noch verschärfen wird".
Für longlife ging alles ganz schnell. Im Oktober wurde ein lukrativer Auftrag innerhalb einer Woche vergeben und storniert. "Da ahnten wir, was kommen könnte", sagt Harald Cleven. Die Geschäftsleitung wolle "eine sozialverträgliche Schließung des Betriebes unter Wahrung der Beteiligungsrechte des Betriebsrates" aushandeln". Bis Ende Mai soll alles entschieden sein. "Wir arbeiten an einer geregelten Betriebsschließung", beteuert Cleven. KOMMENTAR
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