Nettetal: Meissners Bürowelt: Mit Schlips und Aktenkoffer am Strand
VON ANGELA WILMS-ADRIANS - zuletzt aktualisiert: 05.10.2009Nettetal (RPO). Wer könnte wohl das Wirtschaftsleben spitzer karikieren als jemand, der den inhaltlichen Zugang hat? Der Cartoonist Dirk Meissner empfindet es jedenfalls als "glückliche Fügung", dass er seine Leidenschaft für die pointierte Zeichnung erst nach einem abgeschlossenen Volkswirtschaftsstudium zum Beruf machte. Das Interesse an Business und Marketing ist geblieben, aber von einer eher unerwarteten Warte aus.
"Es geht um den Menschen"
Das zeigt Meissner mit einer großen Auswahl von 84 Blättern in der Städtischen Galerie im Rathaus am Doerkesplatz 11 in Lobberich. Der Cartoonist hat das Geschäftsleben mit seinen Fakten, Daten, Zahlen und den Börsenmaklern und Managern mittendrin zum liebsten Thema erkoren. Leser der Süddeutschen Zeitung dürften schon längst mit seinen regelmäßig im Wirtschaftsteil auftauchenden Helden Kottelmann, Kieselbach und Co vertraut sein. "Es geht um den Menschen", sagt der mehrfach ausgezeichnete Cartoonist mit dem spitzen Stift.
Meissner reagiert mit scheinbar rasch skizzierten Figuren. Fast alle besitzen eine markant vorstehende Nase und beulenartig hochstehende Schädel. Der Cartoonist lässt seine Akteure über Sprechblasen reden und bringt mit handschriftlichen Randnotizen den ironisch zugespitzten Inhalt auf den Punkt. Ausgefallene Trainingseinheiten von Führungsseminaren haben es Dirk Meissner offensichtlich sehr angetan. Zwischen starkem Dschungelgrün balancieren drei Schlipsträger durch Wasser watend ihre Laptops zum ironischen Kommentar: "Es war wieder einer jener Tage, an denen die Sinnfrage dezent beiseite geschoben wurde". Lässig den Luxus im Pool genießend, moralisiert ein Badehosenträger über Handy "Wir alle haben doch unsere Probleme, was glauben Sie eigentlich, wo mir das Wasser steht".
In eine pastellig kolorierte Strandszene platziert der Cartoonist die Inkarnation des unermüdlichen Managers mit Aktenkoffer und Bürostuhl als "Der letzte Leistungsträger". Zwei Bildrahmen später lernen die Besucher mit dem Zigarrenraucher im Leopardenlook einen Paradiesvogel in der Welt der mausgrauen Anzüge kennen. Beim Blick auf einen wenig zartfühlenden Umgang im Büroalltag ist der Schildkrötenpanzer Vorbild für die gewünschte dicke Haut.
Der alltägliche Kampf
Dirk Meissner wirft auch gerne einen Blick auf den alltäglichen Kampf mit Automaten und dem Bahnverkehr oder das rein Zwischenmenschliche. Etwa dann, wenn er über eine Sprechblase eine verärgerte Frau ihren Gatten tadeln lässt "Du hattest mir versprochen im Urlaub keine Zeitung zu lesen". Derweil versucht der Ehemann, mit Fernrohr den Wirtschaftsteil des Tischnachbarn zu lesen.
Die Ausstellung "Dirk Meissner: Cartoons" ist bis zum 11. Januar 2010 in der Galerie im Rathaus zu sehen. Öffnungszeiten: Montag und Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, Dienstag und Mittwoch von 8 bis 16.30 Uhr, Freitag von 8 bis 12 Uhr, Samstag von 10 bis 12 Uhr.
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