Nettetal: Milch, Wärme, Strom von der Kuh
zuletzt aktualisiert: 14.08.2010Nettetal (RPO). Mitglieder der Nettetaler Seniorenunion sahen sich den Milchviehbetrieb von Willi Brunen im Lobbericher Flothend an. Hier geben mehr als tausend Kühe täglich bis zu 40 000 Liter Milch. Zurzeit nimmt ein französischer Konzern die niederrheinische Milch für Italien ab.
Die politische Sommerpause nutzten etwa zwei Dutzend Mitglieder der Seniorenunion zum Besuch des Milchviehbetriebs Brunen im Flothend. Willi Brunen führt den größten Betrieb dieser Art in der Region. Der 60-Jährige zeigte den Besuchern den Kuhstall, in dem sein Vater vor 30 Jahren noch zwölf Kühe angekettet hatte. Heute hält Brunen mehr als tausend Kühe. Die Milchkühe fühlen sich nach Brunens Angaben in Ställen, die Licht und Luft durchlassen, sehr viel wohler. "Nur gesunde Kühe geben viel Milch. Deshalb legen wir Wert auf gesunde Ernährung, tägliche Gesundheitskontrollen und den Freilauf", erläuterte Brunen.
Zahlen und Fakten
Milchpreise Seit einem Jahr sind die Milchpreise, die die Abnehmer auszahlen, gestiegen. Im Juni 2009 schwankten sie zwischen 20,8 und 27,9 Cent je Liter. Ein Jahr später lagen sie zwischen 29 und 32 Cent.
Statistik Die Zahl der Milchkuhhalter ist kontinuierlich gesunken. Bundesweit sind es 93 500.
Futterpreise steigen
Die Kühe bewegen sich, säubern sich an "Kratzbürsten", fressen so viel sie wollen und gehen mit der Herde zum Melken. Auf dem Melkkarussel haben 40 Kühe Platz. Dort werden täglich Daten der Kühe abgelesen und in den Rechner eingespeist. Stroh wird aus Thüringen geliefert, das Grünfutter aus der Eifel. Futtervorräte für mindestens ein Jahr lagern in Silos. "Wir kaufen ein, wenn es günstig ist, die Preisschwankungen sind enorm", berichtete Brunen, Sojaschalen und -schrot, Kalk, Mais usw. werden nach von Brunen entwickelten Rezepten gemischt. Da die russische Regierung wegen der Waldbrände den Getreideexport stoppte, stieg der Preis innerhalb kürzester Zeit von 120 auf 220 Euro je Tonne. Brunen verfügt im Augenblick noch über Reserven.
Seit einigen Wochen liefert Brunen seine Milch mit Tankwagen zur französischen Molkerei Lactel in Belgien. Sie wird bearbeitet und per Bahn nach Italien transportiert. Der Landwirt versorgt etwa 40 Nachbarn mit Strom und Wärme. Das Matthias-Neelen-Tierheim des Kreises soll auch an die Wärmeversorgung angeschlossen werden. Der Betrieb gewinnt Wärme aus dem Wasser, mit dem täglich 30 000 bis 40 000 Liter Milch von etwa 35 auf 12 Grad abgekühlt wird. Mehre Motoren (Stückpreis 180 000 Euro), die das aus Gülle gewonnene Methangas verstromen, erhitzen das Wasser auf 80 Grad. Es liefert Brunen und anderen Haushalten Wärme. Auf den Dächern der Kuhställe produziert eine Photovoltaik-Anlage (600 kW) Strom, den Brunen ins öffentliche Netz einspeist.
"Die Biogas-Gülleverstromung ergab sich eher zufällig. Wir durften wegen des hohen Grundwasserpegels keine Güllekeller bauen. Die Silos boten sich zur Stromgewinnung an", so Brunen. SU-Vorsitzender Alois Hackenbruch zeigte sich beeindruckt. "Wir wissen nicht, wohin die Entwicklung geht. Aber wir sind sicher, dass es daraus kein Zurück mehr gibt", sagte er.
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