Nettetal: Mit Konzentration zum Gewinn
VON JANNETTA SZPAK - zuletzt aktualisiert: 05.07.2010Nettetal (RPO). In der Werner-Jaeger-Halle in Lobberich treten eine Woche lang 66 Teilnehmer bei der 2. Internationalen Nettetaler Schach Open gegeneinander an. Jeden Tag um 14 Uhr geht es los.
Jan-Christian Schröder ist optimistisch. Der Zwölfjährige tritt gegen den Großmeister Antonio Kovaliov im Schach aus Argentinien an. Zwar hat der junge Hesse am Samstag klar gewonnen, doch er bleibt bescheiden und analysiert noch einmal das Spiel: "Ich bin nicht so zufrieden mit meiner Leistung am Samstag, doch heute habe ich ein gutes Gefühl", sagt der Schüler, der bereits Sommerferien hat. Geduld, hohe Konzentration und Geschick bringen alle Spieler mit. In der Werner-Jaeger-Halle in Lobberich nehmen die Spieler am Samstag an 33 gleich großen Tischen Platz. In der Mitte steht ein Schachbrett, eine Uhr, um die genaue Zeit zu stoppen, daneben liegt ein Blatt Papier mit einem Stift. "So können die Spieler sich jeden Zug des Gegners notieren", erklärt Jürgen Daniel von der Schachgemeinschaft Nettetal.
Die Halle ist klimatisiert, doch einige kommen schon nach den ersten Minuten kräftig ins Schwitzen und wischen sich mit Handtüchern das Gesicht ab. Läufer, Bauern, ein König und eine Dame, aber auch Turmspringer werden von einem Feld zum nächsten bewegt. Es herrscht absolute Stille.
Zwischen den Reihen bewegt sich der Schiedsrichter leise von Tisch zu Tisch und beobachtet, ob alles nach den Schachregeln befolgt wird. Ein kurzer Handschlag zwischen den Gegnern, ein Hallo, und die Teilnehmer nennen den Namen, dann geht es auch schon mit der ersten Partie los. "In zwei Stunden müssen die Spieler jeweils 40 Züge gemacht haben, ansonsten ist das Spiel verloren", flüstert Jürgen Daniel.
Das Alter der Teilnehmer ist unterschiedlich: Während der Jüngste gerade einmal zwölf Jahre alt ist, hat der Älteste bereits unendlich viele Turniere gespielt. "Wir haben jemanden dabei, der Jahrgang 1931 ist", verrät Daniel. Das Ergebnis von Samstag überrascht den Organisator nicht: "Die meisten Favoriten haben auch gewonnen", so Daniel Jürgen, der in Breyell ein Schach-Fachgeschäft betreibt.
Die Spielbedingungen für die Schachspieler sind optimal: Neben der angenehmen Kühle werden die Ergebnisse auf Leinwand auf der Bühne der Werner-Jaeger-Halle live übertragen. Im Außenbereich sind ebenfalls Spielbretter aufgebaut, die bei der Analyse helfen sollen.
Weibliche Teilnehmer sind selten bei Schachturnieren. Maria Franzenburg gehört zu den wenigen Frauen, die sich für diesen Sport begeistern. "Es gibt einem einen gewissen Kick, wenn man gewinnt", erklärt die Abiturientin, die extra aus Kiel in die Seenstadt angereist ist. Die 20-Jährige möchte sich durch die gespielten Turniere weiter verbessern. Ihr Gegner ist ein Mann. "Das überrascht mich nicht", sagt Franzenburg und lächelt.
In der Halle ertönt der Gong für die nächste Partie. Die junge Frau macht sich auf den Weg und möchte wie alle Anderen auch nur eins: Gewinnen.
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