Nettetal: Moral braucht auch Religion
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 23.01.2009Nettetal (RPO). Auf Einladung der CDU-Mittelstandsvereinigung sprachen zwei Unternehmer und ein Theologe
über die Konsequenzen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise: Ohne Wertesystem geht es nicht.CDU-Mittelstand
Veranstalter Zur Diskussion hatte die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU in Nettetal eingeladen, eine Untergliederung des CDU-Kreisverbandes.
Vorsitzender Automobilkaufmann Thomas Timmermanns (Lobberich) ist Vorsitzender des Stadtverbandes Nettetal, Rechtsanwalt Manfred Schmitz (Kaldenkirchen) sein Stellvertreter.
Von einer dringend nötigen "moralischen Aufrüstung" spricht Friedhelm Ost und fordert, es müsse wieder Orientierung gegeben werden. Der ehemalige ZDF-Wirtschaftsjournalist zieht damit als Moderator das Fazit einer Diskussion über "Erfolg durch Werte" (ohne Frage- oder Ausrufezeichen), die rund 100 Zuhörer zwischen großfomatigen Fotografien und Installationen in der Kaldenkirchener Galerie Nostheide-Eycke 90 Minuten lang in ihren Bann gezogen hat.
Lehrer statt Abwrackprämien
Schließlich sitzt auf dem Podium mit Paul Bauwens-Adenauer ein Enkel des schon legendären ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, der als gelernter Architekt heute ein Bauunternehmen führt und Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln ist. Als mittelständischer Unternehmer beklagt er die aus England und den USA importierte und von Großunternehmen gepflegte Hektik im wirtschaftlichen Denken, die Familienunternehmen fremd sei. Er plädiert dafür, bei Managern, die gefehlt hätten, auch "Verantwortung herzustellen" und sie zu entlassen. Die Finanzhilfe des Staates für die Banken begrüßt er ("Sonst läuft in der Wirtschaft nichts mehr"), doch meldete er bei den Konjunkturprogrammen Zweifel an: "Lieber in Lehrer investieren als in Abwrackprämien."
Weitgehend auf dieser Linie liegt auch Hermann-Josef Johanns, der ebenfalls das "Hohe Lied" des Familienunternehmens singt. Als Vorstandschef des Außenwerbers Ströer Media AG weist er auf die Vorbildfunktion der Chefetage hin, kritisiert die "Hast nach Erfolg" in den Großunternehmen und die mangelnde Kontrolle der Vorstände durch die Aufsichtsräte: "Man kennt sich ja." Die Frage des Dr. Hubertus Zilkens, ob man sich auf "alte Werte" besinnen müsse, beantwortet der Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels mit dem Hinweis auf die "in Sachen Moral verlässlichen Dinge, die über Generationen vermittelt wurden". Das "klassische Laster Gier" ist für ihn ein Übermaß von "legitimen Eigeninteressen", die ohne Rücksicht auf Verluste und die soziale Umgebung durchgesetzt würden. Der Trierer Professor für Christliche Soziallehre sieht in der Krise auch einen "Flurschaden für die Demokratie", da die Systeme nicht mehr von verantwortlichen, sondern von "morschen, korrupten und dekadenten Subjekten" getragen würden. Der Staat dürfe nicht zum "Reparaturbetrieb eines maroden Kapitalismus" werden. Deshalb forderte Ockenfels statt staatlicher Reglementierungen mehr Freiheit für die Moral, die "allerdings eine wackelige Angelegenheit ist, wenn sie nicht durch Religion stabilisiert wird".
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