Nettetal: Mühle unter dem Hammer
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 09.03.2009Nettetal (RPO). Die unter Denkmalschutz stehende Backesmühle in Kaldenkirchen soll zwangsversteigert werden. Pläne einer Bauherrengemeinschaft mit Pop-Star DJ Sash hatten sich nicht verwirklichen lassen. Die GbR ging pleite.
Im Musikmachen hat Sascha Lappessen alias DJ Sash eine Menge Erfolg. Soeben heimste der Lobbericher mit 400 000 verkauften Alben in England Platin ein. "Ich bin im Geschäft wie vor zehn Jahren", sagt er stolz. Beim Steuersparen hat Lappessen dagegen weniger Erfolg. Das mit einer Bauherrengesellschaft betriebene Abschreibungsobjekt "Backesmühle" in Kaldenkirchen kommt unter den Hammer.
Das historische Bauwerk hatte Lappessen vor einigen Jahren mit zwei weiteren Partnern in einer GbR erworben. Es wurde hergerichtet und um einen Anbau ergänzt. "Ich hatte nie vor, dort ein Tonstudio einzurichten, auch wenn das Gerücht damals lange herumgeisterte", sagt der Musiker. Er wollte schlicht Steuern sparen und dort eine Wohnung, eine Galerie und/oder auch eine Kanzlei oder Praxis einrichten und vermieten.
Backesmühle
Historie Die Backesmühle (nach dem Erbauer Gottfried Gisbert Backes) wurde etwa um 1838 errichtet.
Unfall 1887 gab es zwei Tote, als ein Dampfkessel der Mühle explodierte. Ihre Flügel verlor die Mühle später durch einen Brand, als Wilhelm Bartholomei sie betrieb. Das schöne alte Wohnhaus wurde erst vor ca. zehn Jahren abgebrochen.
Immer neue Hürden
So richtig kam die Vermarktung aber nicht in Gang. Schließlich stieß Harald Töpfer hinzu, der hier eine Kombination aus Kochschule und exquisitem Restaurant mit maximal 30 Plätzen installieren wollte. Er holte sich Rat und zustimmende Hilfe bei der IHK und bei der Gaststätten-Organisation Dehoga. Anfangs habe es auch im Rathaus für die Idee große Begeisterung gegeben, erinnert sich Töpfer heute. "Dann aber wurde das Projekt Schritt für Schritt demontiert."
Die Stadt weigerte sich, die Durchfahrtsperre von der Kölner Straße aus aufzuheben und monierte fehlende Parkplätze. Vor allem aber der massive Widerstand in der Nachbarschaft war nicht zu überwinden. Man fürchtete Belastungen durch den Betrieb. "Es kursierte sogar das Gerücht, ich wollte da einen Tanzschuppen eröffnen. Danach gefragt hat mich nie jemand", ärgert sich Töpfer. Es nutzte auch nichts, dass er Nachbarn einlud, um ihnen die Pläne vorzustellen. "Es kamen vier oder fünf Leute." Im Februar vergangenen Jahres zog er sich aus dem Projekt zurück, da saß er längst auf bereits gekauften Gerätschaften für Küche und Restaurant sowie fünfstelligen Planungskosten fest.
"Alle Versuche, das Objekt zu verkaufen oder zu vermieten, scheiterten", erinnert sich Sascha Lappessen. Er hat den Misserfolg nicht nur abgehakt, sondern für sich auch getilgt. "Das muss ich als Verschnitt abhaken, es war eine Fehlinvestition". Es wurde kein Geld mehr in die seit drei Jahren mittlerweile leer stehende Bauruine nachgeschossen, die GbR ging pleite.
Als Versteigerungstermin hat das Amtsgericht nun den 14. Mai um 11 Uhr festgelegt. Nach Informationen der RP gibt es bereits reges Interesse daran, den denkmalgeschützten Turm mit dem noch recht neuen Anbau zu erwerben. Der vollunterkellerte Turm mit einer Nutzfläche von 149 m2 und der 158 m2 große Anbau, der nicht ausgebaut ist, wären als Büro geeignet.
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