Nettetal: Müller-Wirtz demontiert
VON PHILIPP PETERS - zuletzt aktualisiert: 09.01.2009Nettetal (RPO). Der Fraktionsvorsitzende fiel als Kandidat für den Kreistag drei Mal in der eigenen Partei durch. Mit Hans Kettler und Ralf Hussag haben sich zwei selbst ernannte Politik-Rentner reaktiviert. Auch Renate Dyck kommt zurück.
Viele altbekannte Gesichter und Comebacks, etwas Jugend und ein Affront gegen SPD-Fraktionsvorsitzenden Bernd Müller-Wirtz prägten die Kür der Nettetaler SPD ihrer Kandidaten für die Kommunalwahl. So werden Renate Dyck, Arno Melchert und die Parteivorsitzende Claudia Schürmann nach unterschiedlichen Pausen wohl in den Rat zurückkehren.
Politisch kalt gestellt haben die Genossen den Fraktionsvorsitzenden Müller-Wirtz. Der kandidiert nur noch in einem für die SPD aussichtslosen Schaager Wahlkreis. Er verzichtete aber einen Listenplatz und plante, in Nachfolge von Hans Kettler in den Kreistag einzuziehen. Doch der vom Vorstand ursprünglich auf Platz eins der Kreistagsliste geführte Breyeller unterlag in drei Kampfabstimmungen Hans Kettler, Ralf Hussag und Detlev Pockrandt. So landete er auf dem aussichtslosen Platz vier. Hans Kettler hatte vor einem halben Jahr angekündigt, aus privaten Gründen nicht mehr anzutreten. Er habe sich, wie er selber erklärte, „über Weihnachten“ für die erneute Kandidatur entschlossen. Müller-Wirtz reagierte erbost. Doppelmandate seien nicht erwünscht, darum verzichte er auf einen Listenplatz für den Stadtrat. Kettler dagegen ließ sich auch auf diese Liste – wenn auch sehr weit hinten auf Platz 20 – platzieren und kandidiert direkt in Lobberich. Im übrigen müsse der Vorstand wissen, wie glaubwürdig seine Empfehlung an die Mitglieder gewesen sei. Der Fraktionschef stellte seine weitere Arbeit im Rat in Frage.
SPD-Listen
Reserveliste Rat Arno Melchert, Claudia Schürmann, Hans Vyver, Hans-Willi Dröttboom, Renate Dyck, Christian Schürmann, Karin Banck, Christa Terporten, Johannes Dückers, Tanja Jansen, Rolf Spitzkowsky, Christopher Gehlmann, Erich Hüskes, Jasmin Emmrich, Stephan Wiegers.
Kreistag Die SPD empfiehlt der Kreisdelegierten-Konferenz Hans Kettler, Ralf Hussag, Detlev Pockrandt und Bernd Müller-Wirtz.
Als er drei Mal mit vernichtend deutlichen Abstimmungsergebissen gegen sich durchgefallen war, verließ Müller-Wirtz zügig die Versammlung. „Ich werde eine Nacht darüber schlafen. Aber mir ist klar, dass mir der Rückhalt in Partei und Fraktion fehlen.“ Kommentar der Vorsitzenden Claudia Schürmann: „Ich gehe davon aus, dass Müller-Wirtz bis zur Wahl seinen Aufgaben nachkommt“.
Zuvor hatte sie die Geschlossenheit der Partei beschworen. „Wir sollten die Vergangenheit ruhen lassen“, sagte sie. Ehrgeizig kehrt Renate Dyck auf die kommunalpolitische Bühne zurück: „Mir gelüstet es, noch einen Aufschwung der Partei zu erleben. Mehr als zehn Sitze sind das Ziel.“ Kettler sieht Chancen, dass sich im Kreistag die Mehrheitsverhältnisse ändern. „Die CDU-Mehrheit bricht, da vermutlich Linke und Bürgerliche antreten werden. So erhalten wir mehr Gestaltungsspielraum“, erklärte er.
Unerwartet kehrt auch Ralf Hussag zurück. Er war vor anderthalb Jahren nach internen Querelen um das Finanzsanierungspaket als Fraktionschef zurückgetreten und hatte sein Ratsmandat aufgegeben. Hussag will die Nachfolge von Hans-Dieter Heimes im Kreistag antreten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


