Nettetal: Nabu: NRW muss Artenschwund stoppen
zuletzt aktualisiert: 23.08.2010Nettetal (RPO). Anlässlich der Vorstellung der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Vögel in NRW fordert der Nabu die neue Landesregierung auf, den Artenschutz endlich als Querschnittsaufgabe aller Ressorts zu begreifen und die Biodiversitätsstrategie in NRW umzusetzen. "Die neue Rote Liste der Brutvögel in NRW ist der beste Beweis für die anhaltende Gefährdung der heimischen Arten und dafür, dass NRW sein Ziel, den Artenschwund bis Ende 2010 zu stoppen, deutliche verfehlt", erklärte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Naturschutzbundes NRW.
Das Land sei zwar 2007 dem sogenannten Countdown 2010-Prozess medienwirksam beigetreten. Doch habe dies nicht zu konsequenten Maßnahmen in der Breite geführt. "Einzelne Erfolge wie beim Wanderfalken, dem Uhu oder dem Weißstorch dürfen nicht über die ansonsten dramatische Lage hinwegtäuschen", so Tumbrinck.
Gefährdete Vogelarten
47 Prozent aller Brutvogelarten in NRW seien gefährdet: Von insgesamt 212 Brutvogelarten stehen 81 Arten als ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder gefährdet auf der Roten Liste, 18 Arten sind potenziell gefährdet. Besonders alarmierend ist der Rückgang bei Arten wie Uferschnepfe, Kuckuck, Pirol, Feldlerche, Grauammer und Mehlschwalbe.
Besorgniserregend sei auch, dass ehemalige Allerweltsarten wie Haussperling oder Star nun in die sogenannte Vorwarnliste aufgenommen wurden. "Hauptverantwortlich für diese zum Teil gravierenden Bestandeinbrüche ist die immer schneller fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft, die zum Verlust von geeigneten Lebensräumen wie Grünland, Brachflächen, Hecken oder Gebüschen führt", klagte der Landeschef an. Aber auch der anhaltend hohe Flächenverbrauch, die Gebäudesanierung, Aufräumwut im Siedlungsbereich und der Klimawandel machten sich bei dieser neuen Roten Liste bemerkbar.
Anstrengungen für Wiesemvögel
Besondere Anstrengungen erwarte der Naturschutzbund aufgrund der besonders starken Bestandseinbrüche der Acker- und Wiesenvögel zukünftig im Bereich der Landwirtschaft. "Wenn nicht schnell ein Umsteuern stattfindet, wird bald, der Frühling in weiten Teilen von NRW auf dem Acker stumm bleiben", so der Vorsitzende.
Statt die immer weiter zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft zu subventionieren, sollten finanzielle Hilfen besser in die Kuturlandschaftspflege und die Förderung des ökologischen Landbaus fließen, der einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten könnte. Zudem bleibe das nordrhein-westfälische Landschaftsgesetz noch weit hinter den Möglichkeiten zurück, die der Bund den Ländern als Spielraum zur Gestaltung der Naturschutzpolitik zugestehe, und ein erheblicher Anstieg der Naturschutzmittel in den kommenden Jahren sei ebenfalls nicht in Sicht.
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