Nettetal: Narren wollen das Rathaus später stürmen
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 28.04.2010Nettetal (RPO). Etlichen Karnevalisten in Nettetal ist am Altweiberdonnerstag der Spaß vergangen. Die Entscheidung der Stadt, den Rathaussturm von 17.11 auf 14.11 Uhr vorzuziehen, hat ein wenig humorvolles Nachspiel.
In einigen Gesellschaften kursieren Unterschriftenlisten mit dem Ziel, den Rat zum Einlenken zu bewegen. In den vergangenen Jahren hatten zumindest die nüchtern gebliebenen Teilnehmer des Rathaussturms gründlich das Vergnügen am harmlosen Spaß an der Freud verloren: Der Alkoholkonsum war beträchtlich. Das galt vor allen Dingen für die ganz jungen Rathausstürmer. In Abstimmung mit der Polizei zog die Stadt den Termin vor. Bei Tageslicht könne besser Kontrolle ausgeübt werden, erklärten die Fachleute.
Nur wenige Tage nach Karneval zog die Stadt, unterstützt von der Polizei, in öffentlicher Sitzung Bilanz: Es habe deutlich weniger Zwischenfälle mit betrunkenen Jugendlichen gegeben.
Im Umfeld des Rathaussturms sei es wesentlich entspannter zugegangen als in Vorjahren. Viele Karnevalisten lassen das nicht gelten. Sie meinen ein massiveres Auftreten von Ordnungskräften beobachtet zu haben, das abschreckend gewirkt habe. Ein Teil der Möhnen boykottierte aus Verärgerung sogar den Sturm.
Die Initiatoren bezweifeln, dass der frühere Termin Alkoholmissbrauch von Jugendlichen einschränkt. Viele kämen angetrunken zur Veranstaltung. Hinderlich sei es auch, dass Vereine für aktive Kinder und Jugendliche um Unterrichtsbefreiung bitten müssten.
Traditionelle Abläufe wie Besuche des Prinzenpaars am Altweiberdonnerstag in Altenstuben, Schulen und Kindergärten gerieten enorm unter Termindruck. Die Karnevalisten sehen auch die Gastronomie benachteiligt, ihr gingen Umsätze durch Speisen und getränke verloren.
Die Stadt hat inzwischen die Karnevalsvereine, die Polizei sowie Streetworker und Jugendamt zu einem Gespräch im Rathaus eingeladen. Dort sollen die Argumente diskutiert werden.
Erster Beigeordneter Armin Schönfelder räumte zwar gegenüber unserer Redaktion ein, dass die Vereine erst sechs Wochen vor Karneval informiert wurden. Aber bei einer Befragung seien in ihren Antworten sechs Gesellschaften für die Vorverlegung, vier dagegen und sechs ohne Meinung geblieben.
Schönfelder widersprach auch Behauptungen, die Hauptschule Lobberich habe unterrichtsfrei gegeben: "Das stimmt nicht, wir haben uns erkundigt", sagte er. Die Polizei habe bestätigt, dass der übliche "Altweibertourismus" von Jugendlichen, die Stürme in der Nachbarschaft besucht hätten, ausgeblieben sei.
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