Nettetal: Nettetal verliert die Kinder
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 27.11.2008Nettetal (RPO). Die Projektgruppe Bildung und Region in Bonn hat den Schulentwicklungsplan für die Stadt ausgearbeitet. Bis zum Jahr 2015 wird es in allen Schulformen insgesamt etwa 20 Prozent weniger Schüler geben.
Die Schulen in Nettetal verlieren bis zum Jahr 2015 etwa 20 Prozent an Kindern. Der demografische Wandel wird allerdings nicht dazu führen, dass Schulen ihre Existenzberechtigung verlieren. Aber „Man wird über Zusammenarbeit oder auch Fusionen im Bereich der Grundschulen reden und entscheiden müssen“, erklärte Hubertus Schober im Schulausschuss.
Schober legte dort den von der Projektgruppe Bildung und Region in Bonn ausgearbeiteten Schulentwicklungsplan vor. Er liefert Daten und Fakten, die als Entscheidungsgrundlage dienen werden, wie die Stadt Nettetal als Schulträger künftig ihre Politik gestalten sollte. Im Mitelpunkt steht der Raumbedarf der Schulen, aber keine Bildungsinhalte. Die Fraktionen und die Fachberater der Schulformen ziehen sich jetzt in interne Beratungen zurück. Vermutlich wird sich demnächst eine Sondersitzung des Ausschusses detailliert mit den Erkenntnissen befassen.
Elternbefragung
Zusatzaufgabe Die Gutachter befragten auch die Eltern in der Stadt. Mehr als 80 (!) Prozent beantworteten die rund 30 Fragen.
Überraschung Die Befragung förderte zutage, dass weitaus mehr Kinder Eltern mit ausländischer Herkunft haben als die bisher stets fortgeschriebene Schulstatistik ausweist: Breyell 15 % Statistik/ 22 % Befragung), Schaag (6/15), Kaldenkirchen (9/18), Leuth (3/6), Hinsbeck (1/7) und Lobberich (20/24)
Nettetal schrumpft bereits
Schober vermied es, die Ergebnisse allzu düster auszumalen. Doch die Fakten sprechen für sich. Die geringeren Geburtenzahlen zehren die Schulen auf Dauer aus. In Nettetal ist der Wachstumstrend in der Bevölkerung nämlich bereits gekippt. Seit 2001 verliert die Stadt Einwohner, liegt aber mit einer Quote von -0,1 Prozent noch einigermaßen gut im Rennen (Kreisdurchschnitt). Viersens Verluste liegen bei -0,3. Dagegen wächst die Nachbarstadt Straelen um satte 0,6 Prozent.
Nettetal verliert junge Einwohner von 20 bis 30 Jahren. Die Twens verlassen für Studium und Ausbildung die Stadt. Wichtig ist, sie ab 30 Jahre zurückzugewinnen, denn erst dann gründen die jüngeren Generationen heutzutage Familien. Weil aber generell weniger Kinder geboren werden, wird die Zahl der Schüler von derzeit 450 in den jeweiligen Jahrgangsbreiten bis 2015 auf 350 im Schnitt sinken. Schober erwartet nicht, dass sich dieser Trend fortsetzt, sondern auf etwa diesem Niveau stabilisiert.
Die kleinen Grundschulen in Leuth und Schaag werden die ausreichende Zahl an Schülern behalten (mindestens 72 insgesamt), allerdings erwartet das Land eine Zweizügigkeit, also zwei Klassen pro Jahrgang. Das wird Kooperationen oder Fusionen unvermeidbar machen. „Darüber muss man sich Gedanken machen“, so Schober. Der Absturz der einst beliebtesten Schulform Hauptschule setzt sich gebremst fort. Die Schulplaner erwarten für ganz Nettetal dreieinhalb Züge. 2004/05 waren es noch sechs Züge an zwei Schulen.
Nach den Berechnungen des Planers bleibt die Gesamtschule stabil vierzügig. Dagegen dürften Realschule und Gymnasium (Rückgang von Vier- auf Dreizügigkeit) in den kommenden Jahren Schüler verlieren. KOMMENTAR/FRAGE DES TAGES
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