Nettetal: Neues Leben im Moor
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 12.02.2009Nettetal (RPO). Nach dem Kahlschlag an der Nette bei Leuth bereiten Fachleute das Gebiet für die weitere Entwicklung vor. Hier entsteht eine große Schilfzone mit kleinen Gewässern. Alle hoffen, dass die Rohrdommel zurückkehren wird.
Ein Reiher streicht im Sinkflug über das Moor und verschwindet hinter dem Schilf am Nordufer des Wittsees. Auf der anderen Seite des Moores, in einem Gehölz vor den Leuther Bruchwiesen, singen Meisen. Der Blick über das Pietjesbruch ist ungewohnt frei. Die Nette schlängelt sich am linken Rand des Blickfeldes in Richtung Leuther Mühle. Am Ostufer hat der Netteverband Bäume markieren lassen. Sie werden wohl bald gefällt.
Es hat viel Aufregung gegeben, dass auf einem großen Areal am Ufer der Nette zahllose Bäume gefällt wurden. Es traf Grauweiden für die Ökologie und Pappeln, weil sie "schlagreif" waren. Alles war auf einen Schlag kahl geworden, nur weil ein den meisten völlig unbekannter Vogel ausgerechnet hier eine Heimat finden soll. Die Rohrdommel.
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Informationen Dr. Ansgar Reichmann, leiter der Biologischen Station, ist bereit, vor größeren Gruppen oder auch interessierten Vereinen über das Projekt zu referieren. Kontakt: Tel. 02153 95 83 52.
Ausstellung Die voraussichtlich übernächste Ausstellung im Infozentrum der Biologischen Station wird sich mit dem Projekt intensiv befassen. Dabei werden auch die gegenwärtigen Arbeiten an der Nette dokumentiert.
Dr. Ansgar Reichmann hat E-Mails beantwortet und Telefonate mit empörten Menschen geführt. Der Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen hat sie besänftigt. "Ich habe bei vielen Bürgern Verständnis geweckt für die Rodungen. Jetzt sind viele voller Erwartung, wie sich das Gelände entwickelt und ob sich die Rohrdommel ansiedelt", sagt Reichmann.
Zu sehen ist jetzt eine archaische Landschaftskulisse. Früher stachen Menschen schwarzen Torf aus dem Niedermoor. Die Löcher liefen mit dem Wasser der Nette voll. So entstanden die Seen. Der Vorgang wiederholt sich hier im Kleinen. Die Grauweiden sind weg, die oberste Erdschicht und etwas Torf sind abgetragen. Mit der verwendbaren Erde legen Tiefbauer unter der Kontrolle des Ingenieurs Henner Liesegang einen Wulst um die Fläche. Er dient als kleiner Deich.
Das Grundwasser quillt mit Macht bereits hoch. Die vom Frost aufgehaltenen Erdarbeiten müssen zügig vorangehen, damit das Areal geflutet werden kann, ehe die Vegetation erwacht. Viele Überreste des Schilfs, das hier früher wuchs, sind noch vorhanden. "Die Rhizome, also Wurzeln, konnten sich unter den Bäumen nicht entwickeln. Aber sie sind noch da", sagt Reichmann. Er hofft, dass sich das Schilf nun etwas schneller bilden wird.
Rund 2,50 Meter hoch wird der Schilfgürtel, dessen Entwicklung bis mindestens 2011 beobachtet wird. Dazwischen gibt es tiefere Gewässer, in denen sich auch verschwundene Tier- und Pflanzengesellschaften ansiedeln werden. Vergangene Woche frohlockte NRW-Umweltminister Uhlenberg (CDU) bei einem Fachkongress in Recklinghausen, dass die Rohrdommel vielleicht bald brüten könnte.
So weit sind die Arbeiten nicht gediehen. Die Aussichtskanzel am Ufer der Nette ist noch zugenagelt. Demnächst kann man von dort oben aus in das Schilf schauen. Was sich entwickelt, wird Skeptiker nicht nur besänftigen, sondern erfreuen, meint Reichmann.
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