Nettetal: Neues Publikum gewinnen
zuletzt aktualisiert: 02.12.2009Nettetal (RPO). Interview mit der Kulturausschuss-Vorsitzenden Renate Dyck über sinkende Abonnement-Zahlen im Bühnenprogramm der Stadt Nettetal. Der Theater-Arbeitskreis wird sich mit dem Thema intensiv befassen.
Das "Kleine Theater mit den großen Gästen" in der Werner-Jaeger-Halle kämpft mit einer zunehmend schwachen Auslastung. Waren früher Abonnements im Handumdrehen ausverkauft, so gibt es jetzt an der Abendkasse fast immer noch Restkarten.
Und immer häufiger bleiben immer mehr Plätze leer. Das Theaterprogramm von Nettetal ist in der Krise. RP-Redakteur Ludger Peters sprach darüber mit der neuen Vorsitzenden des Kulturausschusses, Renate Dyck.
Was sagen Ihnen "Die Räuber"?
Dyck. Ein Klassiker, geschrieben von Schiller. Die Aufführung war nach den Besucherzahlen nicht ganz so erfolgreich, auch wenn wir das Schillerjahr haben.
Die Vorsitzende
Renate Dyck ist eine der erfahrensten Kommunalpolitikerinnen in Nettetal. Von 1975 bis 2004 war sie in die Rats- und Ausschussarbeit eingebunden. Jetzt kehrte die SPD-Politikerin zurück.
Leidenschaft Ihr besonderes Interesse über die Politik hinaus gehörte seit jeher der Kulturarbeit.
Die Abozahlen sinken. Welche Gründe sehen Sie dafür?
Dyck In den vergangenen sieben oder acht Jahren sind zwei Mal die Preise erhöht worden. Die erste Erhöhung haben die Menschen noch weggesteckt. Die zweite, die in den Aboreihen bis zu zwanzig Prozent und im Besonderen Programm gar bis zu 30 Prozent ausmachte, hat Wirkung gezeigt.
Liegt es nicht auch am Programm, das angeboten wird?
Dyck Vielleicht ist das so. Der Kulturausschuss hat gerade den neuen Theater-Arbeitskreis gebildet, in dem alle Fraktionen vertreten sind. Wir haben verabredet, dort der Sache gründlicher nachzugehen.
Vor 40 Jahren gab es ein anderes Publikum. Drücken wir es mal so aus: Im Saal sitzen viele graue Köpfe.
Dyck Es gibt Umbrüche in der Altersstruktur. Es mag sein, dass viele, die früher ein Abonnement gekauft haben, heute aus Altersgründen nicht mehr zum Abonnenten-Kreis gehören. Und wir beobachten auch ein verändertes Kaufverhalten. Viele wollen sich nicht mehr binden, sie kaufen kein Abonnement mehr, sondern wählen gezielt aus. Also ein vielschichtiges Problem.
Man hat den Eindruck, als gäbe es kaum noch "große" Gäste.
Dyck Heute machen Fernsehstars nur noch selten Tournee-Inszenierungen mit. Ihre Terminkalender sind durch Produktionsdruck enger geworden. Früher kamen TV-Schauspieler fast alle von den Bühnen, dahin wollten sie auch zurück. Heute kommen Fernsehstars nur noch selten von der Bühne. Die Verbundenheit fehlt vielen.
Über die Qualität von Stars kann man streiten, weil mehr Masse im Fernsehangebot nicht für Klasse bürgt.
Dyck Umso mehr müssen die Inszenierungen überzeugen. Auch darüber muss sich der Theater-Arbeitskreis unterhalten. Zur ersten Sitzung am 16. Dezember werden wir über Vorschläge der Verwaltung beraten. Das gilt für organisatorische Fragen ebenso wie für Inhalte.
Welche Rolle spielt das Geld? Preiserhöhungen verbessern selbst bei sinkenden Zuschauerzahlen oft die Einnahmen. Da freut sich ein Kämmerer.
Dyck Kultur bleibt immer ein Subventionsbetrieb. Wer sie als weichen Standortfaktor hervorhebt, muss das so akzeptieren. Für uns ist nicht alles, was Finanzsanierer vorschlagen, das Evangelium. Das muss man hinterfragen.
Wie kann man wieder mehr Menschen für das Theater interessieren?
Dyck Vielleicht hilft eine Umfrage in den weiterführenden Schulen. Da sitzen schließlich diejenigen, die zehn Jahre später ein Abonnement erwerben sollten. Vielleicht ließen sich unterrichtsbegleitende Konzepte erarbeiten mit dem Ziel, die Interessenslage in das Theaterangebot einzubinden.
Zurück zu den Räubern. Sind Klassiker heute im Theater wie in Nettetal unverkäuflich?
Dyck Das will ich nicht so hart sagen. Aber es ist schon schwieriger, dafür ein Publikum zu gewinnen. Die Erwartungen sind andere, die potenziellen Besucher flexibler und mobiler. Der Trend zum Event auch auf der Bühne ist nicht zu bestreiten. Das alles muss hinterfragt werden. Wichtig ist mir, dass wir eine einvernehmliche Lösung finden. Kommunale Kulturpolitik ist nicht im parteipolitischen Streit zum Erfolg zu bringen.
Mit den Besuchern ist auch das Haus in die Jahre gekommen.
Dyck Auch darauf ist zu reagieren. Ich wünsche mir, dass wir in den nächsten Jahren Gelegenheit und Geld finden werden, über notwendige Schönheitsoperationen nicht nur nachzudenken, sondern sie auch umzusetzen.
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