Nettetal: Nicht nur da, wenn's brennt
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 07.05.2009Nettetal (RPO). Die Lobbericher Feuerwehr feiert im Juni ihr 125-jähriges Bestehen. Zu Beginn ging es vor allem darum, unkontrollierbares
Feuer einzudämmen. Heute bestimmen vielfältige Hilfeleistung das Aufgabenspektrum. Aktiv sind seit geraumer Zeit auch Frauen.Das Aufgabenspektrum der Feuerwehr hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Als vor 125 Jahren in Lobberich offiziell eine Feuerwehr gegründet wurde, barg das unkontrollierte Feuer neben Krieg und Epidemien für die Menschen die größte Gefahr. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Brandschutz regelrecht perfektioniert. Heute spielen Brände bei den Einsätzen eine eher untergeordnete Rolle. "Wir leisten überwiegend Hilfe", sagt Löschzugführer Jörg Peschkes. So schlicht, wie das klingt, sind Hilfeleistungen heute aber nicht.
Anwärter werden sorgsam geprüft
Denn der zeitliche Aufwand ist für die ausschließlich ehrenamtlichen Einsatzkräfte erheblich gestiegen. Das beginnt bereits mit der Ausbildung, die in immer anspruchsvolleren Stufen abläuft. Die Entscheidung "Ich gehe zur Feuerwehr", ist daher willkommen, muss aber sehr genau durchdacht werden. "Wir führen mit Anwärtern vorher ausführliche Gespräche. Wir wollen uns von ihnen ein Bild machen, und wir wollen vermitteln, dass wir ihnen sehr viele Opfer abverlangen müssen", berichtet Peschkes.
Feierstunden
Freitag, 19. Juni, 19.30 Uhr Festbankett im Seerosensaal. Gegen 22 Uhr Großer Zapfenstreich im Ingenhovenpark mit anschließenden Überraschungen.
Samstag, 20. Juni, ab 11 Uhr Tag der offenen Tür im Gerätehaus mit feuerwehrtechnischen Vorführungen und Unterhaltung für Kinder. 19 Uhr "Fireball" mit der Band Saturn (Eintritt frei).
Sonntag, 21. Juni, 9.30 Uhr Festmesse in St. Sebastian, Kranzniederlegung am Ehrenmal auf dem Friedhof, 14.30 Uhr Festzug durch die Innenstadt mit Vorbeimarsch am Innenhof des Rathauses.
Im Juni wird die Lobbericher Wehr ein paar Tage innehalten. Mit den Bürgern soll das 125-jährige Bestehen gefeiert werden. Ein umfangreiches Programm und eine ausführliche Festschrift sind in Vorbereitung. Unter den 47 aktiven Kräften mit einem Durchschnittsalter von etwa 34 Jahren sind zurzeit zwei junge Frauen. Darüber verlieren die Lobbericher kein besonderes Wort. "Das ist heute normal, wir hätten nur gerne mehr Frauen in unseren Reihen", erklärt Pressesprecher Dirk Heusen. Allerdings müssen Feuerwehrfrauen wissen, dass sie jeden Dienst ihrer männlichen Kameraden mitmachen müssen. "Ich kann mir im Einsatz keine geschlechtspezifischen Aufgaben aussuchen", bekräftigt Peschkes, der selbst bei der Berufsfeuerwehr in Mönchengladbach ist.
Zwar muss der Löschzug im Prinzip jeden Einsatz bewältigen können, aber es gibt Sonderaufgaben: Die noch einzige Drehleiter in der Stadt und die Tauchergruppe sind an der Ecke Düsseldorfer/Eremitenstraße stationiert. Froh sind die Wehrleute in Nettetal, wie umfassend sie begleitet werden. "Die Stadt hat stets ein offenes Ohr für unsere Anliegen, sie hilft, wo sie kann", erklärt Peschkes. Besonders kritische Einsätze bewältigen die Feuerwehren nie allein.
Hilfe für die Helfer
Zwar gibt es nach dem Einsatz immer eine Besprechung aller Beteiligten, aber es gibt auch psychologische Hilfen. Vielen etwas älteren Aktiven wie Hans Penders hat sich der fürchterliche "Disko-Unfall" vor 23 Jahren, als mehrere Jugendliche zwischen Grefrath und Lobberich in einem überladenen Auto starben, in die Gedächtnisse eingebrannt. "Ohne professionelle Hilfe übersteht das von uns keiner unbeschadet", sagt Peschkes.
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