Nettetal: Noch kein eigenes Jugendamt
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.06.2008Nettetal (RPO). Nettetals Stadtrat entschied nach intensiver Diskussion ein umfangreiches Maßnahmepaket für die nächste Zeit. Das Kreisjugendamt soll sich intensiver einbringen. In zwei Jahren fällt die endgültige Entscheidung.
In der letzten Sitzung vor der Sommerpause absolvierte der Rat noch einmal intensive Bewegungsübungen. Nach einer Serie von geheimen und offenen Abstimmungen steht fest, dass Nettetal die Entscheidung über die Bildung eines eigenen Jugendamtes um zwei Jahre verschoben hat.
Seit knapp zwei Jahren schwirrt die Idee, sich vom Kreisjugendamt abzukoppeln und selbst – natürlich besser – die Aufgabe zu übernehmen, durch die Gremien. Es wurden Informationen eingeholt, viele Papiere beschrieben und Maßnahmen diskutiert. In der jüngsten Jugendausschuss-Sitzung begann dann der Vorwahlkampf, begleitet von komplexen Geschäftsordnungsdebatten.
Warum so zaghaft?
Maßnahmen-Katalog
Direkt Die Stadt verstärkt die Streetwork- und Gemeinwesenarbeit und in den Stadteilen den direkten Dialog mit Jugendlichen.
Vorsorge Hinwendung zu Familien in frühkindlicher Phase.
Aktion Mit einem „Frühwarnsystem“ und enger Vernetzung bestehender Einrichtungen soll die Familienhilfe intensiver werden.
Projekte 20 000 Euro gibt es von der Stadt für themenbezogene Projekte interessierter Träger.
Im Rat setzte sich die erstmals mehr erbittert als sachlich geführt Diskussion nun fort. Markus Tillmanns (Grüne) war der „CDU-Mehrheitsfraktion“ unverhohlen vor, ihre eigene Zwiegespaltenheit intern zu unterdrücken und diesen internen Druck nach außen weiterzugeben. Im Jugendausschuss war ein Vertagungsantrag von der Union nach seinem Empfinden mit (Gerhard) Schröder’scher „Basta“-Manier von Namensvetter Hubert Schröder hinweggefegt worden. Wie die Grünen will auch die FDP das eigene Jugendamt, und zwar ab dem 1. Januar 2010. Ihr Fraktionschef Hans-Willy Troost fragte die verwaltungsspitze, von der er wisse, dass sie seiner Meinung sei: „Warum sind wir so zaghaft?“ Eine demokratische Mehrheit sei für das Jugendamt Nettetal.
Die SPD schlug erneut den Kompromisskurs ein: Gegen die Mehrheit und äußere Geschlossenheit der CDU sei nichts auszurichten. Also sei die Fraktion bereit, die Entscheidung, wie von der Union vorgeschlagen, um zwei Jahre zu verschieben. In dieser Zeit werde die Stadt selbst ihre Anstrengungen in der Jugendpolitik verbessern und dem Kreis eine Art Bewährungsfrist lassen. Im übrigen solle man eine andere Entwicklung nicht unterschätzen: Städte und Gemeinden arbeiteten längst auf vielen Gebieten sehr viel enger zusammen.
Die Grünen ließen nicht locker und beantragten geheime Abstimmung darüber, ab 2010 das eigene Jugendamt einzurichten. Ergebnis: 22 Stimmen dagegen, 19 dafür, es gab eine Enthaltung. Und während noch spekuliert wurde, ob es in den jeweiligen Lagern Abweichler gäbe, folgte die nächste Entscheidung, diesmal offen abgestimmt: Der Rat beschloss den umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Stärkung der Jugendarbeit, der bereits im Jugendausschuss beraten und mehrheitlich so beschlossen worden war. Das Ergebnis fiel nun einstimmig aus.
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