Nettetal: Nur ein bisschen zuheizen
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 21.02.2012Nettetal (RP). Selbst die extremen Minustemperaturen haben dem Passivhausstandard des neuen Studentenwohnhauses in Kaldenkirchen nichts anhaben können. Die ausgefeilte Technik bewährt sich, und niemand musste frieren.
Als die Temperaturen in den vergangenen Wochen auf zweistellige Minusgrade rutschten, hat Hans Moors dann doch Sorgen gehabt. Der Vorstand der Baugesellschaft Nettetal war sehr gespannt, ob die Studenten im Wohnhaus an der Ecke Ring-/Buschstraße froren oder nicht. Aber: Gefroren hat dort niemand. Das Passivhaus hat den ersten Härtetest überstanden.
Die Baugesellschaft hat mit dem gebäude im vergangenen Jahr echtes Neuland betreten. Es gibt Einfamilienhäuser, die im Passiv-Standard errichtet wurden, es gibt auch einige etwas größere Objekte. Aber ein Gebäude nach dieser Technik mit 20 Wohnungen – das ist ein ambitioniertes Unterfangen. Erfahrungen haben der Bauherr, der Architekt und die Ingenieure mit einem solchen Projekt bisher nicht. Und sie konnten auch nicht auf bereits bestehende Bauten dieser Größenordnung zurückgreifen.
Günstig für Geldbeutel
Miete Die Studenten zahlen 9 Euro für Miete und Nebenkosten pro Quadratmeter. Darüber hinausgehende Energieverbräuche muss die Baugesellschaft tragen.
Sporthalle Auch die Sporthalle an der Ravensstraße 2 in Kaldenkirchen ist nach Passivhaus-Standard errichtet. Sie wurde aber erst kürzlich eröffnet.
Kein Wunder, dass Moors und seine Mitarbeiter besonders genau hinschauen in diesen Wintertagen. "Wir kontrollieren wöchentlich die Verbräuche. Es gibt auch einen Bedarf, ein paar Dinge nachzuregulieren. Aber das alles hält sich bisher in engen Grenzen", stellt Moors zufrieden fest. Ein bisschen Kummer bereitet lediglich die Beschattung an der Südseite. "Ausgerechnet an den eisigen Tagen, an denen die Sonne vom wolkenlosen Himmel schien, schob sich die Beschattung vor die Fenster. Das ist ja nun völlig sinnlos", berichtet Moors. Er hofft, dass die Nachsteuerung der Anlage eine solche Panne künftig dauerhaft ausschließt.
Im Inneren des Gebäudes war es jedenfalls immer angenehm warm. Die Studenten haben sich nicht beklagen müssen. Die Technik bewährt sich. "Natürlich müssen wir bei so extrem niedrigen Temperaturen nachheizen. Aber der Energieaufwand scheint sich in Grenzen zu halten", sagt Moors zuversichtlich. Für das ganze Objekt wird eine Gas-Therme benötigt, die sonst eine etwa 70 Quadratmeter große Etagenwohnung heizen müsste.
"Mit dem warmen Wasser hatten wir ein kleines Problem. In den einzelnen Wohnungen haben wir Wärmetauscher. Das ließ sich technisch ohne Weiteres nachsteuern", berichtet Moors. Gelernt habe man, dass jeder Bewohner andere Gewohnheiten habe, und darauf lasse sich individuell mit der Haustechnik eingehen.
Als die jungen Mieter in das Passivhaus einzogen, erhielten sie ein Begleitschreiben und Hinweise auf Besonderheiten des Lebens darin. So wird nicht über die Fenster gelüftet, sondern über ein ausgeklügeltes Lüftungssystem. Die Baugesellschaft verfolgt und überwacht die Technik ständig. "Es ergeben sich immer wieder neue Fragen. Ich weiß, dass wir einigen Technikern ziemlich lästig fallen. Aber wir lassen uns davon nicht beeindrucken, und die müssen da durch", meint Hans Moors. FRAGE DES TAGES
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