Nettetal: Nur eine Stufe in der Gesundung des Systems Phosphate, Chlorophyll und Fotosynthese
zuletzt aktualisiert: 20.09.2010Nettetal (RPO). Die Netteseen waren jahrelang mehr oder minder tot. Schilfgürtel und Seerosen starben ab, der Fischbestand ging zurück. Industrie, Gewerbe, Haushalte und Landwirtschaft hatten ihre Schmutzfrachten, darunter auch Gifte, über Jahrzehnte in die Nette abgeleitet. Er die strikte Reinigung von Abwässern in jüngerer Vergangenheit hat das Wasser der Nette erheblich sauberer gemacht, auch wenn Abschwemmungen von Äckern und Wiesen sowie Stoffe, die die Kläranlagen nicht auffangen können, weiterhin das Wasser belasten.
"Das Auftreten der Wasserpest ist ein sicheres Zeichen dafür, wie sauber das Wasser dennoch ist", erklärt der Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen, Dr. Ansgar Reichmann. Er ist davon überzeugt, dass die Systeme der Nette sich in den kommenden vier bis sechs Jahren einpendeln werden. So lange werde die Pflanze aber auf jeden Fall immer wieder in großen Mengen auf dem Fluss und in den Seen auftreten.
Die Frage, ob sich dagegen etwas tun ließe, stellt sich dem Biologen nicht. Der Mensch hat bereits genug unheilvoll in der Natur herumgefummelt und mehr Schaden als Nutzen angerichtet. Reichmann hält beispielsweise gar nichts davon, den Graskarpfen als Elodea-Fresser einzusetzen. "Erstens überfordern den Fisch diese Mengen und zweitens reibt man damit den Teufel durch den Beelzebub aus. Der Fisch gehört nicht in unsere Flüsse und Seen", so der Biologe.
Vögel weiden Pflanzen ab
Der Natur müsse man einfach ein wenig Zeit einräumen, selbst für das Gleichgewicht zu sorgen. Befürchtungen, absterbende Pflanzen könnten die Verschlammung und Verlandung der Seen fördern, teilt Reichmann nicht. Erstens habe der Mensch durch ungehemmten Sediment- und Gifteintrag viel mehr zur Verschlammung beigetragen. Zweitens funktionierten auch hier die Gesetze der Natur. So haben die Biologen verfolgt, dass Wasservögel wie beispielsweise das Blesshuhn die Wasserpest in großen Mengen weiden. Begeistert hat die Station auch, dass erstmals seit vielen Jahren wieder brütende Schwäne am Poelvenn zu beobachten waren.
Mit großem Interesse verfolgen die Experten die weitere Entwicklung. Sie nehmen regelmäßige Wasserproben und ziehen daraus Rückschlüsse. Eine stabile Planktonbildung wäre die nächste, wichtige Stufe zur Gesundung des gesamten Nettesystems. Höhere Formen von Wasserpflanzen ließen dann auch nicht mehr lange auf sich warten, meint Reichmann.
Nettetal (lp) Im Biologieunterricht wird die Wasserpest gerne herangezogen, um die Fotosynthese unter dem Mikroskop zu demonstrieren. Ein Blättchen und ein Wassertropfen reichen bereits, um zu verfolgen, wie in den Zellen Veränderungen vor sich gehen. Das darin enthaltene Chlorophyll, quasi ein grüner Farbstoff, macht die Fotosynthese möglich. Blätter an Bäumen oder eben auch an einer Wasserpflanze wie Wasserpest bauen mit Hilfe des Pflanzenfarbstoffes Chlorophyll und mit Sonnenlicht energiereiche Stoffe aus Kohlenstoffdioxid auf. In erster Linie stellen die Pflanzen damit ihre Nahrung selbst her. Neben den Kohlenhydraten entsteht aber auch Sauerstoff.
Elodea nuttalii, die Wasserpest in den Nettesystemen, ist ein enormer Sauerstoffproduzent. Gleichzeitig vermehrt die Pflanze sich rasend schnell. Es reicht schon, ein Blatt abzubrechen. Daraus entwickelt sich eine neue Pflanze.
Mehr Kummer als die Pflanze bereitet den Fachleuten eher die nach wie vor hohe Belastung der Gewässer durch den Menschen. Unheilvoll sind beispielsweise Phosphate, die über Klärsysteme auch nicht vollständig entfernt werden können. Jeder Mensch scheidet täglich einige Gramm aus. Sie stecken außerdem in Waschmitteln, Kunstdünger und Gülle, werden also auch direkt aus landwirtschaftlichen Flächen in Nette und Seen gespült. Algen lagern Phosphate in ihrer Biomasse ein und beginnen zu wuchern – und beeinflussen das Ökosystem negativ.
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