Nettetal: Ohne Angst in die Zukunft
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 29.04.2010Nettetal (RPO). Nettetal steht unter Dauerstress. Die Finanzen sind katastrophal und lassen keinen Spielraum für die Stadtentwicklung. Das "Leitbild 2015+" will einen Prozess anstoßen, der möglichst viele Bürger aktiviert.
Wo stehe ich, und wohin will ich? Die Frage beschäftigt jeden Bürger irgendwann. Die Frage stellt sich jetzt die Stadt Nettetal. Bürgermeister Christian Wagner hat eine Diskussion ausgelöst, die unter dem trendigen Begriff "Leitziele 2015+"steht. Was entrückt klingt, hat eine handfeste Ursache. Die Stadt muss einen Weg finden, wie sie dem Bevölkerungsschwund entgegenwirken und Wirtschaftsunternehmen neu oder weiterhin an sich binden kann. Kurz: Nettetals Zukunft steht auf dem Spiel.
"Wir sind darauf angewiesen, Ideen aufzunehmen", gestand Christian Wagner gestern. Die klassische Form von Stadtentwicklung geht nicht mehr: Geld in die Hand nehmen, planen, Menschen und Betriebe ansiedeln, Früchte dieser Arbeit ernten. Es fehlt an allem, nicht nur am Geld. Die Tugend historischer Stadtgründungen bestand darin, dass jeder seine Talente und Möglichkeiten mit einbrachte, aber auch Verantwortung übernahm. Das will Wagner erreichen.
So geht's
Bestandsaufnahme Nettetal wird seziert: Was bietet die Stadt verschiedenen Altersgruppen, Vereinen und Unternehmen?
Profil Stärken sind die positive Verankerung im Prozess, der über genutzte Potenziale hinaus in die Zukunft zielen soll.
Reduktion Wenige, aber erreichbare Ziele, die akzeptiert und verstanden werden, sollen am Ende des Prozesses umgesetzt werden.
Wenn der arg strapazierte "Wettbewerb der Kommunen" keine hohle Phrase bleiben soll, muss eine Stadt ein unverwechselbares und klares Profil entwickeln. "Rat und Verwaltung allein wären damit überfordert. Je mehr Bürger, Vereine und Unternehmen sich einbringen, desto breiter wird die Grundlage", meint Wagner.
Mit Billigung des Hauptausschusses hat er den Marketingexperten Frank Bienkowski in den Prozess eingebunden. Der Lobbericher war im Zuge von "Nettetal ist mehr..." auf Wagner zugegangen – und rannte offene Türen ein. Seine Aufgabe wird es sein, Workshops zu moderieren, ihnen eine Struktur zu geben und im Einvernehmen mit den Beteiligten wenige, aber umsetzbare Ziele zu formulieren. Bienkowski legt den Finger in eine schmerzende Wunde. Nach der Bertelsmann Studie ist Nettetal wie der größte Teil des ländlichen Niederrheins ganz nett, aber ohne Dynamik. Die Stadt ist langweilig und verschlafen.
Das ist zwar eine Momentaufnahme, sie hat aber getroffen. Bienkowski hat einen komplexen Katalog entwickelt, der in den kommenden ein bis zwei Jahren abgearbeitet werden soll. Die Bürger, die Vereine und die Unternehmen sind aufgerufen, sich aktiv zu beteiligen und Vorschläge zu machen, die das Gemeinwesen Nettetal fördern. Zur Erinnerung: Als vor knapp zehn Jahren der neue Flächennutzungsplan entwickelt wurde, haben sich sehr viele Einzelpersonen, Vereine und Institutionen beteiligt. Diese Kräfte möchte die Stadt erneut mobilisieren. Nach den Sommerferien beginnen die Workshops. Wer Interesse hat mitzumachen, kann sich schon jetzt in eine Liste eintragen: E-Mail an Netteagentur@Nettetal.de oder dort anrufen.
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