Nettetal: Ohne Schmerzen davongehen
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 21.04.2008Nettetal (RPO). Leiden lindern in den letzten Tagen des Lebens: Neben der Medizin ist dabei auch die menschliche Zuwendung unentbehrlich. Vielfältige Hilfe wird angeboten, wie auf dem 1. Nettetaler Palliativ- und Hospiztag im Nettetaler Rathaus zu sehen war.
Es sind vielfach die kleinen Dinge, die Großes bewirken können, wenn das Ende naht: das Halten der Hand, das Gespräch, die unbedeutend erscheinende Massage, das Glas Saft oder Rotwein als Mundpflegemittel, die den Schmerz abtötende Infusion. „Wenn medizinisch nichts mehr getan werden kann, gibt es unendlich viel zu tun“, schließt Elsbeth Steinfort ihren kurzen Vortrag zur Palliativmedizin. Die Internistin und Leiterin des Palliativteams am Städtischen Krankenhaus betont dabei immer wieder, dass dieser noch relativ junge Zweig der Medizin „die Lebensqualität des Patienten im Blick hat und das, was quält, gelindert werden soll“.
Weil der Umgang mit dem Sterben nicht jedermanns Sache ist, „sind wir jetzt einmal an die Öffentlichkeit gegangen, um auf einer breiten Basis aufzuklären“, betont Jochen Post, der zweite Mediziner im Team. Zur breiten Basis tragen ein gutes Dutzend Hilfs-, Pflege- und andere Dienste bei, die sich im Rathaus in Lobberich präsentieren. „Das ist ein ganz tolles Angebot, das eine umfangreiche Information vermittelt“, lobt eine Grefratherin im Rentenalter. Man müsse sich ja schließlich Gedanken machen über das, was kommen kann, „so unangenehm das auch sein mag“. Der Lobbericher Fritz Herkenrath, hoch in den 80-ern, ist beeindruckt von der Fülle der Hilfsmöglichkeiten, die man nutzen könnte: das variable Krankenbett, natürliche Nahrung eines Babykostherstellers, ambulante Dienste. Er braucht sie Gott sei Dank nicht. „Aber es ist gut zu wissen, dass es sie gibt“, sagt seine Frau Käthe, denn „allein würde ich eine Pflege nicht schaffen.“ Andere stimmen bei: „Es ist gut, dass das Thema angepackt wurde. Der Tag trägt dazu bei, Hemmschwellen zu überwinden.“
Palliativteam
Zusammensetzung Das Palliativteam am Krankenhaus Nettetal besteht aus zwei Ärzt(inn)en, zwei Krankenpflegerinnen, zwei Physiotherapeut(inn)en, einer Sozialarbeiterin und einer Seelsorgerin. „Ein solch interdisziplinäres Team gibt es sonst nirgendwo im Kreis“, sagte Chefarzt Dr. Michael Pauw: „Das ist unsere Stärke.“
Weiterbildung Die Teammitglieder haben spezielle Ausbildungen hinter sich und absolvieren permanent Weiterbildungen.
Logo Den Viertelbogen im Klinik-Logo hat das Palliativteam zum Halbbogen erweitert, um den lateinischen Ursprung des Namens (pallium: Mantel) sichtbar zu machen: beschützende Fürsorge.
Nettetals Bürgermeister Christian Wagner ist „stolz auf die Eigeninitiative der Krankenhaus-Mitarbeiter“, die das Palliativteam auf die Beine gestellt haben. Er kündigt an, dass innerhalb der Station 3b des Krankenhauses drei Räume für die Betreuung Sterbender entsprechend gestaltet werden, samt einem „Raum der Stille“ und einer Teeküche für Angehörige. Für die Gestaltung des Palliativbereichs haben sich schon Sponsoren gefunden, denn Krankenkassen sind bei der Finanzierung bisher „zurückhaltend“. Für den Bürgermeister ist es selbstverständlich, dass „wir uns in einer familienfreundlichen Stadt Nettetal um alle Bereiche des Lebens kümmern“. Schmerztherapie müsse deshalb ein „ganz normaler Weg“ werden.
Mit der Resonanz auf diesen ersten Nettetaler Palliativ- und Hospiztag ist das Palliativteam sehr zufrieden. Außerordentlich gut besucht sind die vier Fachvorträge; auch bei der Meditation von Seelsorgerin Sr. Patricia sind zu wenig Stühle vorhanden. Die beteiligten Aussteller wollen auch beim nächsten Mal mitmachen – „wahrscheinlich in zwei Jahren“, schätzt Jochen Post.
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